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Am 3. November. 451
und daß die Gräfin, die Gott so wunderbar gerettet hatte, unschul-
dig sey. Frühe des andern Tages machte er sich auf, und ging
mit dem Jäger, dem er gebothen hatte, von seiner Entdeckung Nie-
manden ein Wort zu sagen, in den Nabensteinerwald, auf daß er
sich von dem Leben seiner I tha, gegen die jetzt in seinem Herzen
die zärtlichste Liebe wieder aufwachte, überzeugte. Als sie der Hütte
sich näherten, ging Itha ihrem Heinrich entgegen. Dieser erkannte
sie bei dem ersten Anblicke, zweifelte nicht mehr an ihrer gänzlichen
Unschuld, warf sich zu ihren Füßen, und bat sie unter häufigen
Thränen um Verzeihung des großen Unrechts, das er ihr angethan
hatte. Die gute Itha betheuerte, daß sie nie auf ihn gezürnt, in-
dem sie wohl gewußt habe, daß sein Herz einer solchen Mißhand-
lung nicht fähig gewesen wäre, wenn man es nicht hintergangen
und schändlich betrogen hätte. Es brauchte aber lange, bis der
tiefbewegte Graf sich beruhigen ließ. Als er bald darauf den Do-
miniko, der ihn so schändlich betrogen, und durch diesen Betrug den
Tod des schuldlosen Kuno und die Verstoßung der Itha veranlaßt
hatte, Tod und Verderben schwur, hörte Itha nicht auf, zu bitten
und zu flehen, bis Heinrich versprach, dem Bösewicht das Leben zu
schenken. Allein sobald dieser hörte, daß die Gräfin noch lebe, so
machte er seinem gottlosen Leben selbst ein Ende.
Heinrich wollte nun, daß Itha wieder auf das Schloß zurück-
kehre. Sie aber erklärte ihm, daß dieses nicht mehr geschehen
könne, weil sie damals, als sie von der Welt verstoßen, von Gott
aber so väterlich aufgenommen, nnd so wunderbar erhalten worden
sey, sich ganz als Gottes Eigenthum angesehen, sich ganz ihm über-
geben, und feierlich versprochen habe, alle noch übrigen Lebenstage
Jesu Christo zu weihen, und abgesondert von der Welt zu leben.
Diese Worte gingen dem guten Heinrich, wie ein Schwert, durch
sein Herz; er machte j.doch keine Einwendungen. Am folgenden
Tage kam er wieder zu Itha mit seinem Schloßkaplan, und da
ward gemeinschaftlich beschlossen, ihr an einem andern Orte eine be-
quemere Wohnung zu baue», die dann auch nach wenigen Wochen
schon in der Au, unweit dem Kloster Fischingcn, hergestellt, und
mit einem Gärtchcn versehen ward. Der Einzug der gottseligen
Itha in diese neue Wohnung glich einem festlichen Triumphzuge.
Unzählige Menschen strömten herbei, welche die geliebte Gräfin se-
hen, und zu ihrer Erlösung ihr Glück wünschen wollten. In der
Au setzte Itha die angewöhnte, gottselige Lebensweise fort, und
nahm nur solche Besuche an, welche das Seelenheil oder die leib-
liche Hilfe des Nebenmenschen zum Ziele hatten. Sie nährte sich
mit den gemeinsten Speisen, und gab die besscln, mit welchen sie
von Heinrich reichlich versehen wurde, de» Armen und den Kranken,
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen