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Am 14. November. 455
richtet. Man konnte in Wahrheit von ihm sagen, daß er, wie an
Jahren, auch zunehme an Weisheit und an Tugend. Als er zum
reifern Alter herangewachsen war, widmete er sich mit großem Eifer
der Erforschung der göttlichen Schriften. Die tiefe Beherzigung der
ewigen Wahrheiten läuterte jcmehr und mehr seinen Sinn, und er-
hob ihn auf eine seltene Stufe reiner Gottseligkeit. Ertödtend die
sinnlichen Gelüste, und verschmähend die vergänglichen Güter der
Erde, genoß er das reinste Vergnügen im Umgänge mit Gott, trach-
tete nur nach dem Reichthume der Tugend, der unvergänglich ist,
und ewig bleibt.
Die Verehrung, in der er stand, war so groß, daß er, ob.-
gleich erst fünf und zwanzig Jahre alt, zum Abte des berühmten
Klosters, welches zu Glandilaugh sich befand, erwählt wurde. Weit
entfernt des Glanzes der neuen Würde sich zu freuen, sah er die-
selbe vielmehr als eine drückende Last an, welche zu tragen er sich
im Gefühle tiefer Demuth, zu schwach hielt. Er leitete seine Ge-
meinde mit Weisheit und mit Liebe, bewies sich seinen Brüdern als
liebevollen Diener, und leuchtete ihnen vor in aller Tugend. Wäh-
rend der ersten vier Jahre seiner Regierung ward das Land durch
großen Mangel an allen Lebensbedürfnissen hart gedrückt. Dieß
machte dem guten Abte viele und schwere Sorgen, die er in heißen
Thränengebethcn Gott empfahl; verschaffte ihm aber auch Gelegen-
heit zu jenen herrlichen Werken der Liebe, von denen der Sohn
Gottes sagt, daß, wenn man sie dem Geringsten der Brüder er-
weise, man sie ihm selbst gethan habe. Er wendete Alles auf, dic
allgemeine Noth zu erleichtern. Er spendete den Vorrath aller
Früchte den Hungrigen, und theilte sehr reichliche Gaben an Geld
den Nothleidenden mit. Unzählige verdankten seiner liebevollen Vor-
sorge die Erhaltung ihres Lebens. Die allgemeine Noth nahm ein
Ende; aber der wohlthätige Abt hörte nicht auf, nach seinem Ver.
mögen Unterstützung zu reichen, Allen, die derselben bedurften.
Reichliche Gaben spendete er auch zur Erbauung neuer Kirchen, zur
Verbesserung der schon vorhandenen, und zur Zierde des Gottes-
dienstes. >
Nach dem Tode des Bischofs von Glandilaugh wurde von der
Geistlichkeit und von dem Volke einstimmig der hochverehrte Abt
Laurentius zum Bischöfe begehrt; dieser war aber nicht zu bewegen,
dem allgemeinen Verlangen zu entsprechen. Er stellte vor, daß er
zur Verwaltung des so wichtigen bischöflichen Amtes zu jung, und
auch sonst zu derselben nicht tauglich sey. ANein nicht lange her-
nach mußte er einem Rufe nachgeben, der eine noch schwerere Bürde
seinen Schultern auflegte. Er wurde auf den erzbischöflichen Stuhl
zu Dublin berufen. Nach langem Widerstände empfing er dic
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen