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458 Der heilige Homobonus, Kaufmann.
Kreuzer unredlichen Erwerbes sich zugeeignet hatte. Tief war sei:
ncm Herzen eingeprägt die Ermahnung des Sohnes Gottes: „Was
nützt cs dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei
aber seine Seele verliert!" Unwahre Angaben, und Nichterfüllung
des Versprochenen waren in seinen Augen ein Greuel.
Er verhcirathete sich nach dem Willen seiner Eltern mit einer
tugendhaften Jungfrau, die ihn getreulich in seinem Berufe unter-
stützte. Reine Gottesfurcht und liebevolle Eintracht beglückte ihre
Ehe, und die gute Ordnung, welche in ihrem Hause und unter den
Hausgenossen herrschte, bezeugte ihre christliche Wachsamkeit. Ho-
mobonus stellte sich in Allem als einen Christen dar, dem nichts so
sehr, als die geistige Vervollkommnung, am Herzen liegt. Er war
gegen Jedermann liebevoll und dienstfertig, in hohem Grade sanft:
müthig, bescheiden und demüthig, stets ein erbauliches Vorbild der
Frömmigkeit, und der eifrigen Ausübung der Religionspsiichtcn.
In seiner Jugend schon hatten die Worte Jesu: „Sammelt
euch Schätze im Himmel, wo weder die Würmer, noch die Motten
sie verderben, und wo die Diebe sie nicht ausgraben und stehlen,"
einen tiefen Eindruck in sein Herz gemacht. „Ich bin hungrig ge:
Wesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und
ihr habt mich getränkct; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich
gekleidet u. s. w." Und dieser Eindruck war's, der sein Herz zur
mitleidsvollsten Liebe gegen die Armen und Nothleidenden entstammte.
Er spendete reichliche Almosen, und vermehrte dieselben, als nach
dem Tode seines Vaters ein bedeutendes Vermögen ihm zugefallen
war. Er suchte die Hilfsbedürftigen in ihren Wohnungen auf,
steuerte, so gut er konnte, ihrer Noth, und leistete ihnen Liebes:
dienste jeder Art; wobei er immer auch nach Beschaffenheit der Um:
stände ihren Eifer zur Tugend, oder zur Besserung des Wandels
anzuregen sich bemühte. Wenn seine Gattin zuweilen ihm bemerkte,
daß er mit seiner Familie wegen seiner gränzenlosen Mildthätigkeit
in Armuth gerathen werde, beruhigte er sie mit der Versicherung
des Sohnes Gottes: -,Was ihr einem aus meinen geringsten Brü:
dern gethan habt, das habt ihr mir gethan," (Matth. 25, 39) wobei
er sie belehrte: die beste Weise sein Geld anzulegen sey, es den Ar:
men zu geben; denn dadurch werfe es, nach der göttlichen Verhei:
ßung, hundertfache Zinse ab. In seiner Lebensbeschreibung, welche
bei Surius auf den ^ j . November vorkommt, werden Wunder an:
geführt, durch welche Gott die Wohlthätigkeit seines Dieners ver-
herrlichet haben soll.
Mit der Wohlthätigkeit verband Homobonus große Enthalt-
samkeit, Werke strenger Abtödtung, und eifriges Gebeth, ohne jedoch
dadurch seine Berufspflichten zu versäumen. Um Mitternacht stand
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen