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47« Der heilige Franziskus von Assis :c.
und Lästerung, warfen Koth und Steine nach ihnen, und mißhan-
delten sie wohl auch durch Schläge. Dieses Alles ertrugen sie mit
großer Geduld um des Namens Jesu willen. Bald stieg die Zahl
der Jünger des heiligen Franziskus auf sieden, die er die sieben
Büßenden von Assist nannte, und mit großem,Eifer zur Vollkom-
menheit , insbesondere zur Selbstverleugnung aneiferte. Getreu den
Lehren, die er ihnen gegeben hatte, und erglüht für das Heil der
Seelen, durchwanderten sie Städte und Dörfer und bewirkten zahl-
reiche Bekehrungen, nicht weniger durch das Vorbild ihres vollkom-
menen Wandels und einer sehr strengen Lebensweise, als durch ihre
Predigten; hatten aber auch viele Drangsalen zu erdulden; indem
sie von Manchen für verdächtige Vagabunden gehalten, mit Verach-
tung überhäuft, und aus den Wohnungen derselben ausgeschlossen
wurden, so daß sie nicht selten die Nacht unter freiem Himmel oder
in Kirchen zubringen mußten. Dieses belebte aber nur desto mehr
ihren apostolischen Eifer. Franziskus schrieb, nachdem die Zahl sei:
ner Jünger auf eilf gestiegen war, ihnen eigene Satzungen vor, die
er auf die heilige Schrift gründete, und begab sich dann nach Rom,
dieselbe von dem kirchlichen Oberhaupte zum Zwecke der Errichtung
eines neuen Ordens bestättigen zu lassen. Dieß geschah, vorzüglich
auf die Verwendung und Fürsprache des Guido, Bischofs von
Assis», vom Papst Innocenz I I I , , aber nur mündlich, im Jahre
1210.
Auf der Rückreise von Rom unterrcdcten sich Franziskus und
seine Schüler über die Weise, wie sie die festgesetzte Regel am voll-
kommensten befolgen könnten. Als sie von Hunger heftig gequält
wurden, aber keine Speise hatten, brachte ihnen ein Unbekannter ein
Brod, und entfernte sich. Dieses bestärkte sie in dem Vorsatze, von
dem Gelübde der Armuth nie zu weichen, und in jeder Noth nur
allein auf Gott zu vertrauen. Eben so bekräftigten sie den Ent-
schluß, ihren Eifer in dem Berufe, Seelen zu gewinnen, fortan le-
bendig zu erhalten. Sie zogen in die Nahe von A M , wo sie in
schlechten Hütlen wohnten. Da die Zahl der Ordensgcnossen sich
vermehrte, wurde ihnen die nahe gelegene Kirche zu Portiunkula,
von den Benediktinern ganzlich überlassen. Dieser Ort wird deß-
halb als das erste H">us des Franziskancrordens angesehen. Hier
lag der Heilige mit seinen Genossen der Betrachtung und dem Ge:
bethe ob, in so großer Armuth, daß sie nicht einmal Bücher besa-
ßen. Statt des Betrachtungbbuches diente ihnen ein hölzernes
Kreuz, bei welchem sie sich versammelten und betheten, Einer die
Andachtsglut des Andern entflammend. FranziZkus drang in seinem
Unterrichte vorzüglich darauf, daß seine Schüler Gott in allen sei-
nen Geschöpfen preisen, den Priestern immer die gebührende Ehre
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen