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Am 4. Dktober. 479
bezeugen, und der römischen Kirche beständig getreu bleiben sollten.
Die sich vermehrende Zahl der Ordensgenosscn machte die Erbauung
mehrerer Ordenshäuscr nöthig. Die ersten Kirchen, nach jener zu
Portiunkula, waren die zu Pisa, Pescia und Cetona. In kurzer
Zeit war der neue Orden, zumal in Italien, Spanien und Portu-
gal, bereits allgemein verbreitet. Aller Orten widmeten sich die
Mitglieder desselben dem Predigtamte, Paar und Paar hcrumwan-
dernd, ohne etwas Anderes zu besitzen, als ihr schlechtes Gewand,
und ohne etwas Anderes von den Menschen anzunehmen, als was
sie zu ihrem kärglichen Unterhalte bedurften. In der Folge entstan-
den auch Frauenklöster dieses Ordens; allein weder über diese, noch
über andere Nonnenklöster wollte Franziskus seinen Ordensgenossen
die Aufsicht und Leitung gestatten. Dem heiligen Franziskus wurde
jetzt allenthalben, wo er zu predigen hinkam, sehr große Verehrung
bewiesen, zumal als verschiedene Wunder, die Gott durch seinen
Diener gewirkt haben soll, bekannt wurden. Man läutete bei seiner
Ankunft mit Glocken, empfing ihn in feierlichen Prozessionen, drängte
sich zu ihm, um nur sein ärmliches Gewand zu berühren, und gab
viele andere Beweise der ehrfurchtsvollsten Hochschätzung; bei Allem
dem bewahrte aber der Diener Gottes in sich das Gefühl der tief-
sten Demuth. Unter den vielen Bekehrungen, die er während sei-
nes Predigtamtes machte, ist vorzüglich merkwürdig die der heili-
gen Clara.
Im Jahre 1217 reiftte Franziskus nach Rom, und erlangte
von dem Papste Honorius I I I . , daß der Cardinal Hugolin zum
Beschützer seines Ordens, der auf mancherlei Weise angefeindet ward,
bestellt wurde. Bald darauf hielt er ein Generalkapitel unter dem
Vorsitze des eben genannten Cardinals. Ueber fünftausend der min-
dern Brüder, — so wurden die Ordensglieder des heiligen Franzis-
kus genannt, — fanden sich bei demselben ein, woraus auf die eben
so schnelle als große Verbreitung des Ordens geschlossen werden
mag. In einer feurigen Rede crmahnte der geistliche Vater seine
Söhne, fortwährend nach höherer Vollkommenheit zu streben, strenge
Abtödtung zu üben, die Ordenssatzungen mit größter Gewissenhaftig-
keit zu beobachten, und Niemanden, der eine strengere Lebensweise
führen wolle, von der Aufnahme in ihre Gemeinschaft auszuschlie-
ßen. Auf den Antrag, daß man von dem Papst ein Privilegium
erbitten solle, daß der Orden von der Gerichtsbarkeit der Bischöfe
ausgenommen sey, erwiederte er: „Cuer besonderes Privilegium soll
seyn, kein Privilegium zu haben; denn dieses würde euch nur mit
dem Geiste der Hoffart aufblähen, euch ein Ansehen verschaffen, wel-
ches Andern nachtheilig wäre, und zu Zänkereien Anlaß geben."
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen