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Am 7. April. 483
lichcr Sinn, indem er bald mit der heiligen Mutter, bald mit dem
göttlichen Kinde, das sie auf dem Arme hielt, als wären sie leben-
dig und leibhaft zugegen, redete, und in seiner frommen Herzens-
freude sich es seyn ließ, als würden von ihnen scine Reden erwie,
dert. Süße Tröstungen und heilige Entschlüsse erfüllten dann jedes-
mal sein kindliches Herz. Zwölf Jahre alt, wurde er in das, im
Bisthumc Cöln gelegene, Prämonstratcnserkloster Stcinfcld gebracht.
Hier reifte sehr bald in seinem Gemüthe der Entschluß, die Welt
zu verlassen, und dem einsamen Klostcrlcben sich zu widmen. Auf
sein anhaltendes Bitten erhielt er das Ordensgewand; wurde aber,
weil er zur Ablcgung der Gelübde noch zu jung war, nach Frieß-
land geschickt in ein Kloster, in welchem seine Ausbildung fortgesetzt
werden sollte. Wie im Hause der Eltern, und wie im Kloster
Steinfeld, lag er auch hier mit unverdrossenem Eifer den Arbeiten
seines Berufes ob; strebte nach immer größerer Vervollkommnung;
und fand in kindlicher Gottesfurcht und in reiner Unschuld sein höch-
stes Glück. Als etwas besonderes erzählt die Geschichte von ihm,
daß er die Fabeln der heidnischen Götterlehre immer nur mit gro-
ßem Unwillen gehört, und wenn er es nach dem Willen seiner Leh-
rer thun mußte, gelesen habe, in der Ueberzeugung, daß sie dem
jugendlichen Gemüthe auf mancherlei Weise zum Anstoß und zur
Gefahr werden können. Er verhehlte diese Gesinnung seinen Leh-
rern nicht, indem er ihnen sagte, es werde dem wahren Gott eine
Unchre angethan, wenn bloß erdichtete, und noch dazu in der Dich-
tung als sehr lasterhaft dargestellte Wesen mit seinem Namen be-
legt werden. Der Unterricht war ihm der angenehmste, durch wel-
chen Verstand und Herz auf Jesum Christum gerichtet werden.
Nach seiner Rückkehr in's Kloster Steinfeld wurde ihm aufge-
tragen , den Brüdern im Refektorium des Klosters zu dienen. Er
besorgte zwar so willig, als pünktlich die vorkommenden Geschäfte;
ward aber dabei nicht selten sehr traurig, weil sie ihm viele Zeit
zum Gebethe und zu den geistlichen Betrachtungen raubten. Dieses
schwere Anliegen seines Herzens trug er oft, und unter heißen Thrä-
nen Gott und der göttlichen Mutter vor. Da ward er endlich be-
ruhiget durch die Belehrung: daß er nichts Gott Gefälligeres thun
könne, als den Brüdern dienen mit liebevollem Herzen. Er, der
nicht auf diese Erde gekommen war, sich bedienen zu lassen, sondern
Andern zu dienen; der selbst gesprochen hat: „Wer immer unter
euch größer werden will, der soll euer Diener seyn; und wer unter
euch der Erste seyn will, der sey euer Knecht." (Match. 20.) —
Man sah jetzt den guten Hermann die ihm obliegenden Geschäfte
nie anders, als mit der größten Heiterkeit verrichten. Die Thätig-
keit seines Körpers wurde sichtbar durch die Freudigkeit des Geistes
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen