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Am 13. Juni. 487
kreuzigten, dem allein er in vollkommenem Gehorsam zu dienen
wünsche. Gratian ward sehr erfreut durch den frommen Sinn des
demüthigen Bruders, den er mit sich nahm, und ihm erlaubte, in
die Einsamkeit bei St. Paul, unweit Bologna, sich zu begeben.
Hier lag Antonius fortwährend dem Gebethe und der Betrachtung
ob, und verband damit strenges Fasten und andere körperliche Ab-
tödtungen, durch die er sein Fleisch kreuzigte, auf daß der Gcist
desto lebendiger werde. In der Gemeinschaft der Brüder stellte er
sich dar als ein Vorbild tiefer Demuth, indem er freudig Allen
diente, und immer nur die geringsten Geschäfte verrichten wollte.
Sorgfältig verbarg er die erhabenen Mittheilungen Gottes, die sei-
ner Seele zustoßen. Er hörte Jedermann mit Demuth an, und re-
dete nur, wenn die Nothwendigkeit es erforderte. Nach einiger Zeit
wurde er nach Forli geschickt, auf daß er die heiligen Weihen em-
pfange. Da mußte er, — und zwar ganz unvorbereitet, weil an-
dere es ablehnten, — vor einer großen Versammlung der Brüder
und anderer Mönche eine geistliche Rede halten. Noch nie hatt«
er öffentlich geprediget. Viele waren deßhalb in großer Bcsorgniß
für ihn; Alle aber wurden in Verwunderung gesetzt durch die Bc-
rcdtsamkeit des Redners sowohl, als durch den Geist und die Sal-
bung der Rede. So benutzte Gott einen zufälligen Anlaß, die schö-
nen Gaben seines Dieners zu offenbaren; diesen aus dem Dunkel
hervorzuziehen und zum Seelcnheile Vieler thätig zu machen. Nach
empfangener Priesterweihe wurde Antonius von seinem Obern nach
Vcrcclli gesandt, um dort von einem regulirtcn Chorhcrrn vervoll-
kommnet zu werden in den geistlichen Wissenschaften, die er bald
hernach, auf Befehl des heiligen Franziskus, zu Bologna seine Brü-
der lehren mußte. Von dieser Zeit fing man an, die mindern Brü-
der, die bis daher von Vielen als unwissend verachtet wurden, auch
ihrer Gelehrsamkeit wegen zu schätzen. Neben dem wichtigen und
beschwerlichen Lchramte, das Antonius an verschiedenen Orten, als:
zu Toulouse, Montpellier, Padua lc. eben so eifrig als geschickt ver-
waltete , mußte er auch an der Klosterregierung Antheil nehmen.
Man liest von ihm, daß er einige Jahre Ordensprovinzialstiftcr von
Klöstern in verschiedenen Provinzen, und sowohl zu Puj, in der
Landschaft Vclai, als zu Limoges Guardian gewesen sey.
Nach dem Gencralkapitel, in welchem auf sein Zuthun Elias
abgesetzt wurde, wollte ihn der Ordcnsstifter Franziskus bei sich be-
halten, und von allen Aemtern des Ordens befreien, damit er sich
den Wissenschaften desto ungestörter widmen könnte. Allein er ver-
schmähte die Ehren, die ihm dadurch zugedacht wurden, und erflehte
die Erlaubniß, aller Orten predigen zu dürfen. Nachdem er sie er-
halten hatte, widmete er sich dem Predigtamte mit einem Eifer, der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen