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Am 19. November. 491
schickter, und mit zunehmenden Jahren auch täglich tugendhafter,
frömmer und liebenswürdiger.
Elisabeth wurde in Allem unterrichtet, was ihr für ihren künf-
tigen Beruf nothwendig seyn, und zu Allem gewöhnt, was sie an-
genehm und nützlich machen konnte. Am meisten wurde aber doch
auf das Wichtigste gehalten — auf Unterricht in der Lehre des
Christenthums, und auf Angewöhnung jeder Gott gefälligen Tugend.
— Dieses, dachte der gute Konrad, ist das einzige größte Gut des
Menschen.
Schon in ihrem zwölften Jahre war Elisabeth ein wahrhaft
gutes Kind, kannte und liebte von Herzen Gott, und den göttlichen
Erlöser Jesus Christus, war willig, gehorsam, gegen Jedermann
gütig und liebevoll, freundlich und friedlich, hatte Freude am Un-
terricht und Gebethe. Mit zunehmenden Jahren vermehrte sie diese
schönen Eigenschaften mit der so liebenswürdigen Bescheidenheit, Ein-
gezogenheit, Schamhaftigkeit und Demuth. — Sie konnte, wie die
Geschichtschreiber versichern, unanständige Reden nicht hören, und
wenn sie mit andcrn Kindern spielte, und eines oder das andere ei-
nes Verschens wegen eine Htrafe an Geld geben mußte, so wurde
dieses sogleich den Armen geschenkt. Nach dem Zeugnisse ihrer Ju-
gendfreundin, des Hoffräuleins Judith, gab sie, so oft sie mit an-
dcrn Mädchen spielte, immer einen Theil des Gewinnstes dcn är-
mern Mädchen. Sie trug, so wie Agnes, ihres Bräutigams Schwe-
ster, mit der sie erzogen wurde, nach damaliger Sitte eine Krone;
war sie aber in der Kirche, so nahm sie solche jedesmal so lange
ab, bis der Gottesdienst, dem sie immer mit großer Andacht bei-,
wohnte, zu Ende war. Ost ging sie mit jungen Frauenspersonen
auf den Gottesacker, zeigte nach den da ruhenden Todten hin, und
sagte: „Diese lebten auch, wie wir; nun aber sind sie todt, und
also wird es auch uns wiederfahren; darum sollen wir Gott lieb
haben, und demüthig vor ihm wandeln, weil wir Erde sind; —
was will sich denn die arme Erde erheben?" Frühe wurde Elisa-
beth in die Schule der Leiden geführt, desto besser kennen zu lernen
den hohen Werth der christlichen Religion, die allein wahren Trost
zu geben vermag. Großen Kummer machte ihr der frühe, gewalt-
same Tod ihrer Mutter, für deren Seele sie heiße Thrä'nengebethe
verrichtete. Von ihrer Schwiegermutter Sophie und von einigen
Hosicuten hatte sie eine üble Behandlung zu erdulden. Sie ertrug
es mit Geduld, weit entfernt von dem unchristlichen Sinne, Böses
mit Bösem vergelten zu wollen.
Der Landgraf Hermann starb im Jahre 1215. Schon im
sechzehnten Jahre seines Alters mußte dessen Sohn Ludwig, als
Erbprinz unter Beihilfe der Landständc die Regierung übernehmen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen