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494 Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Hessen :c.
Kriegsvolk an die Heere des Kaisers Friedrich sich anzuschließen, und
einen Zug in's gelobte Land zu machen, um dort die heiligen Orte
aus der Gewalt der Ungläubigen zu erobern. Schwer siel dem
edlen Paare die Trennung; sie faßten sich abcc als Christen, und
sagten: „So Gott wil l , werden wir einander hier wieder sehen;
sollte aber das auch- nicht geschehen, so werden wir in der ewigen
Heimath einander finden." Elisabeth verdoppelte während der Ab-
wesenheit des Gemahls dic Sorge für ihre Kinder, und insbeson-
dere auch für die Armen, und das Gebeth für ihren Ludwig. Als
sie eines Tages eben an diesen dachte, kam die Trauernachricht, er
sey gestorben. Er wurde auf seinem Zuge, in Italien schon, von
einem heftigen Fieber über/allen, und starb zu Otranto im Neapo-
litanischen, noch im nämlichen Jahre 1227. Diese Todesnachricht
setzte gar.z Thüringen und Hessen, besonders den landgräsiichen Pa-
last, und in diesem mehr, als alle Andern, die Landgräsin Elisabeth
in die tiefste Trauer. Die Tröstungen der Religion allein waren
vermögend, ihren großen Schmerz zu lindern, und sie zu beruhigen.
„Ich weiß," sprach sie, „dast ich einen Sterblichen geheirathet habe!
Hier auf dieser Erde ist unser Beieinandcrseyn doch nur vorüber-
gehend, und dauert nur kurze Zeit. Jenseits werde ich ihn wieder
finden, und dann von ihm nicht mehr getrennt werden." — Im
ganzen Lande wurden Andachten, Opfer und Almosen für den Ver-
storbenen angeordnet und entrichtet.
Äaum hatte man die Nachricht von Ludwigs Tode erhalten,
als dessen Bruder Heinrich, dem der Landgraf die Sorge für scine
Familie und für das Land während seiner Abwesenheit übertragen
hatte, den ungerechten Gedanken in seinem Herzen aufkommen ließ,
die Landesregierung an sich zu reißen. Der Gedanke reifte bald
zum Entschlüsse, den er mit Beihilfe der, zum Theile durch schöne
Versprechen gewonnenen, zum Theile durch Drohungen zurückge-
schreckten Höflinge und Landstände balo ausführte. Den Landesge-
setzen zuwider ward Elisabeth von der Regierung verstoßen, und ihr
Sohn, der Erbprinz der gerechten Ansprüche auf selbe beraubt.
Damit die tief gekränkte Wittwe, und die so ungerecht behandelten
Waisen nicht etwa das Mitleiden der Unterthanen in solchem Grade
erregen möchten, daß ein Aufstand erfolge, schaffte der Grausame sie
aus dem Lande, und gab sogar den unmenschlichen Befehl, daß auf
ihrer Reise Niemand sie begleiten, und Niemand aufnehmen solle.
—- So wurde die bekümmerte Frau aus ihrem eigenen Hause, und
aus ihrem eigenen Lande nicht — hinausgeschickt, sondern — hinaus
gestoßen. Bei diesem ungerechten Vorgange zeigte sich Elisabeth
als starke Christin. Anfangs suchte sie Rath und Unterstü.^ung, be-
sonders für ihre Kinder; als sie aber bemerkte, daß Alles gegen sie
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen