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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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Am 19. November. 495 stehe, empfahl sie die Sache Gott, und erwartete ruhig, was jeder nächste Tag bringen werde. Da ihr die Landesverweisung ange- kündigt wurde, fragte sie schnell: „Und was geschieht mit meinen Kindern?" Sie erhielt keine Antwort. Da weinte sie einige Au- genblicke, erhob dann ihre Augen gegen den Himmel, und sagte: „O Gott, sey du Vater der Vaterlosen!« Als sie das Armenhaus zum letztenmal sah, sprach sie: „Gott erbarme du dich der Armen!" Großer Trost war es für sie, daß die Kinder ihr gelassen wurden, obwohl dadurch die Beschwerden ihrer Reise sich vermehrten. Sie wandte sich zuerst an die Klosterabtissin zu Kitzingen, der sie nahe verwandt war. Diese nahm die Verstoßene mit freundlicher Liebe auf, bezeigte ihr zärtliches Mitleiden, und entschloß sich, das Mög- lichste zu thun, derselben wieder bessere Tage zu verschaffen. In dieser Absicht berichtete sie ungesäumt die Trauergeschichte dem Bi- schöfe Eckbert zu Gamberg, der ein Bruder von Elisabethcns Mut- ter war. Die erste Sorge sowohl der guten Äbtissin, als des ed- len Bischofs, war, der Elisabeth anständigen Unterhalt zu verschaf- fe». Königlichen Unterhalt wollte diese nicht, indem sie der Welt und aller Eitelkeit abzusterben fest entschlossen war. Die ungerechte Verstoßung der Landgräfin wu de allgemein be- kannt, und überall mit größtem Unwillen aufgenommen. Elisabeth erhielt von verschiedenen Seiten Mitleidsbezcugungcn, und sehr vor- theilhafte Anerbictungen. Ihr Vater lud sie ein, wieder nach Un- garn in's väterliche Haus zu kommen, und der Bischof zu Bambcrg machte ihr den Antrag einer ihrem Stande angemessenen Verehcli: chung. Zur Wiederverehclichung hatte sie aber keine Lust, und nach Ungarn auch die Kinder, von denen sie sich nicht trennen wollte, mitzunehmen, standen mehrfache Hindernisse in dem Wege. Inzwi- schen kamen auch verschiedene Vorstellungen an den ungerechten Hein- rich; allein seine Herrschsucht ließ sie nicht in sein Herz eindringen; und wenn sie bisweilen eindrangen, und sein Gewissen erschütterten, so wußten die bösen Höflinge denselben bald wieder zu beruhigen. Endlich geschah doch etwas, was der Sache eine Wendung gab. Man brachte den Leichnam des verstorbenen Landgrafen Ludwigs aus Italien nach Thüringen, auf daß er in dem Familienbegräbniß beigesetzt werde. Mit Entsetzen vernahmen die Begleiter Ludwigs die ungerechte Verstoßung der Landgräfin, und ihrer Kinder. Voll des gerechten Unwillens, mit einer Unerschrockenheit, mit der einst ein Johannes zu Herodes redete, sprach Einer, — Rudolph von Vargel, — im Namen Aller zu Heinrich: „Gnädiger Herr! meine Freunde und Euere Lehensleute, die hier gegenwärtig stehen, haben mich crsuö'.t, mit Euch zu reden. Euer unbarmherziges Betragen, von dem wir nicht nur in Franken, sondern auch in Thüringen ge-
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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