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496 Die heilig? Elisabeth, Landgräfin von Hessen :c.
hört haben, hat uns in Erstaunen gescht, und Zchamröthe ist uns
Eures unweisen Verfahrens wegen ins Gesicht getreten. Ach jun-
ger Fürst, was habt ihr gethan? Wer hat es Euch gerathen, Eu-
res Bruders Gemahlin, eine betrübte Wittwe, eines edlen Königs
Tochter, die Ihr trösten, die Ihr ehren solltet, als cinc niedrige,
arme Person aus Eueren Staaten zu verbannen? Sie steht so all-
gemein in gutem Rufe, und ihr habt sie auf cinc so schimpfliche
Weise von Euch gestoßen, ihr den Aufenthalt in Euerer Stadt ver-
sagt, und sie die Rollc einer Bettlerin spielen lassen und so weiter."
So , von edlcm Wahrhcitsgcfühl und von Unerschrockcnhcit beseelt,
redete der Schenk, Nudolph von Vargel, mit dem Fürsten. Sein
Feucrgeist besiegte Heinrichs Härte, dessen bessere Gefühle wieder
rege wurden. Thränen flößen über seine Wangen herab, und einige
Minuten lang blieb er stumm. Er sah die seiner Schwägerin zu-
gefügten ungerechten Drangsale ein, und wünschte nun das Anden-
ken derselben durch ein besseres nachfolgendes Verhalten auszutilgen.
„Ich bin." sprach er zu dem edlen Rudolph, „bereit, Alles zu thun,
was meme Schwägerin Elisabeth von mir verlangt." Elisabeth
begehrte nicht mehr, als ihre Mitgift (Heirathgut) und das von
ihrem verstorbenen Gemahl ihr ausgesetzte Leibgcding. Heinrich ge-
währte es ihr, worauf die aufrichtigste Versöhnung erfolgte. —
Elisabeth zog sich, mit ihrem ersten Erzieher, dem frommen Priester
Konrad, nach Marburg, welches damals noch ein unbeträchtlicher
Flecken war, zurück, und führte da wieder das einfache, stille,
fromme und wohlthätige Leben, das sie vor ihrer Verehelichung ge-
führt hatte. Zu ihrer Bedienung hatte sie nur zwei Mägde, denen
sie aber mehr Mutter, als befehlende Hausfrau war. Sie brauchte
für sich sehr wenig, und was immer sie erübrigte, ward der An-
theil der Armen. Sie erbaule auch in Marburg ein Armenhaus,
und versah dasselbe mit einer Stiftung, aus welcher eine gewisse
Anzahl Armer und Kranker für beständig unterhalten werden sollte.
Erster Pfleger, Armenvater und Seelsorger bei diesem Armenhause
war Konrad. Zur Verrichtung des täglichen Gebethes und Gottes-
dienstes ward eine Kapelle zum Armenhause erbaut. Fast immer
hielt sich Elisabeth in dem Krankenhause auf; nicht etwa, um da
alle Tage neue Lob- und Danksprüche zu hören; sondern um den
Armen und Kranken alle Tage noch mehr eine liebevolle Mutter,
ja sogar eine unermüdet sorgfältige Pflegerin zu seyn. „Hier,"
sagte sie oft, „sey meine Arbeit, und hier soll einst meine Ruhe
seyn!"
Vor ihrem Ende nahm sie rührenden Abschied von ihren Dienst-
leuten, bezahlte sie gewissenhaft, ermähnte sie zur Frömmigkeit, und
vermachte Alles, was sie noch hatte, den Armen. Sie ließ sich die
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen