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506 Die heilige Hedwig, Herzogin von Polen.
chre Tochter, die Äbtissin von Trcbnitz, in großem Jammer sah,
sprach sie: „So wollte es Gott, und was er will, muß auch uns
angenehm seyn;" dann erhob sie die Augen zum Himmel, und be-
thete: «Herr! ich danke dir, daß du mir einen solchen Sohn gegc-
ben hast, der mir in scincm ganzen Leben Verehrung und Liebe be-
wiesen, und nie eine Beschwerde gemacht hat. Groß wäre meine
Freude gewesen, wenn er mich überlebt hatte. Allein ich halte ihn
sür glücklich, daß er sein Blut um dcr guten Sache willen vergos-
sen hat, indem ich die Zuversicht habe, daß er jetzt im Himmel mit
dir vereiniget sey."
Hedwig lebte nach dem Tode ihres Sohnes nur noch zwei
Jahre, und setzte mit großem Eifer die Werke der Frömmigkeit, der
Liebe und der körperlichen Abtö'dtung fort, leuchtend als ein erbau-
liches Vorbild hoher christlicher Vollkommenheit. Seit fast vierzig
Jahren hatte sie kein Fleisch gegessen, obgleich sie öfters von ihrem
Bruder, dem Bischöfe in Bambcrg, dem sie sehr ergeben war, dazu
— ihrer Gesundheit wegen — aufgefordert wurde. Gewöhnlich
genoß sie am Sonntag, Dienstag und Donnerstag einen Fisch, oder
eine Milchspeise; am Montag und Samstag getrocknete Hülsen-
früchte, und am Mittwoch und Freitag nur Brod und Wasser. In
ihrem Gewände hatte sie nicht allein der Pracht, sondern auch der
Bequemlichkeit entsagt, bereits immer unter demselben ein rauhes
Bußklcid getragen, und die Füße vielfältig unbedeckt gelassen. Nur
durch den ausdrücklichen Befehl des päpstlichen Legaten Guilclm,
konnte sie, als sie wirklich schon krank war, bewogen werden, Fleisch-
speisen zu genießen. — Sie bethete sehr oft, und immer auch sehr
lange. Täglich wohnte sie mehreren heiligen Messen bei, brachte bei
jeder eine Opfergabc dar, und ließ nach jeder den Priester durch Hände-
ausiegung sich segnen. Sie soll auch, so erzählt die Geschichte, mit
Wundergabc und mit der Gabe der Weissagung begnadiget gewesen
seyn. Ihr Heimgang in's ewige Vaterland erfolgte am 15. Okto-
ber 1243. Der Leichnam wurde nicht, wie sie es verlangt hatte,
in dem Kirchhofe des Klosters, sondern in der Kirche selbst vor dem
Hochaltäre beerdiget. Sehr groß war der Zulauf des frommen Vol-
kes zu ihrem Grabe, das Gott durch Wunder verherrlichte. Ihre
Heiligsprechung ist vom Papste Clemens VI. am 26. März 1267
erfolgt.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen