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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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514 Die heilige Clara, Jungfrau. seyn, der hierauf gebornen Tochter den Namen Clara sdie Leuch.- tendc) zu geben. In der Kindheit schon offenbarte sich an Clara, was in der Folge aus ihr werden würde. Sehr frühe entwickelte sich in ihr der Geist der Andacht. Wenn Andere durch Spielen sich ergötzten, bethete sie. Sehr oft fand man sie in ihrer Kammer auf den Knieen liegend, und in Ermanglung eines Rosenkranzes zählte sie die Gebethe mit einem Haufen kleiner Steinchen. Die zärtlichste Verehrung der unbefleckten Gottesmutter flößte ihr jenen hohen Sinn für die jungfräuliche Reinigkeit ein, welchen sie in ihrem ganzen Leben so treulich bewahrte, als die vorzüglichste Zierde in dem Kranze ihrer Tugenden. Ihre Mildthätigkeit gegen die Armen war so groß, daß sie fast immer den größern und bessern Theil der Speisen, welche ihr gegeben wurden, aufhob, und insgeheim densel- ben zuschickte. Mit den Jahren nahm auch ihre Frömmigkeit, ihr Streben nach immer größerer Vervollkommnung in jeder Tugend, ihr Eifer in C'rtödtung der Sinnlichkeit, und ihre Abneigung gegen die Ergötzungen der Welt zu. Sie liebte die Einsamkeit, in der ihre fromme Seele in der Unterhaltung mit Gott die süßeste Wonne genoß. Im Gefühle tiefer Demuth war sie abhold aller Eitelkeit, auch in ihrer Kleidung, unter der sie beständig einen Bußgürtel trug. Die Wohlgestalt ihres Körpers wurde durch liebenswürdige Bescheidenheit weit überglänzt. Heirathsanträge, die ihr gemacht wurden, wies sie ab, weil sie sich den Erlöser zum unzertrennlichen Bräutigam erwählt hatte. Einen noch höhern Aufschwung erhielt ihre fromme Seele durch das, was sie von dem heiligen Franz von Assis hörte. Sie wollte ihn sehen, und mit ihm sich berathen, wie sie Gott auf die voll: kommcnste Weise sich widmen könnte. Der Ruf ihrer hohen Tu- genden hatte sie dem Manne Gottes schon bekannt gemacht. Mit einer andern Jungfrau, die mit ihr gleichen Sinnes war, ging sie zu ihm, und offenbarte ihm ihr Verlangen nach einem vollkommnen Wandel. Der heilige Franzistus, dem Gott seine Absichten mit dieser reinen Seele geoffenbaret hatte, bestärkte sie in ihrem Vor- satze, sich Jesu Christo ganz zu weihen, Alles zu verlassen aus Liebe zu ihm, und erklärte ihr, daß Gott sie auf ähnlichen Wegen, wie einst auch ihn, zur Vollkommenheit berufen habe. Clara besuchte den Heiligen noch öfter. Er unterrichtete sie, bildete sie nach seinem Geiste, u»d weckte in ihr den Gedanken, für Weibspersonen das Nämliche zu thun, was er für die Männer be- gonnen hatte. In der Fasten des Jahres 1212 wurde der Plan hiezu entworfen, und den 18. Mai ; , welcher auf den Palmsonntag fiel, zur Ausführung desselben gewählt. Am Morgen dieses Tages erschien sie, nach der mit Franziskus getroffenen Abrede, in der Dom-
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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