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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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Am 12. August. 515 kirche, geschmückt mit ihrem besten und schönsten Gewände. Alle Anwesenden drängten sich zum Empfange der Palmzweige, welche ausgetheilt wurden; sie aber blieb ruhig in ihrem Platze. Da stieg der Bischof vom Altare herab, trat zu ihr hin, und reichte selbst ihr eine Palme, als Zeichen des Sieges, den sie an diesem Tage über die Welt erkämpfen sollte. Am Abend verließ sie insgeheim ihre Wohnung, und verfügte sich in das Kirchlein zu den Engeln, Portiunkula, genannt. Dort empfing sie der heilige Franziskus, be- gleitet von seinen Jüngern, brennende Kerzen tragend, und Psalmen singend. Nach einem kurzen Gebethe ließ sie sich die Haare ab? schneiden, und empfing das Ordenskleid am Fuße des Altars. Darauf legte sie ihr kostbares Gewand ab, hüllte sich in ein häre- nes Kleid, und umgürtete ihre Seite mit' einem Stricke, worauf der heilige Franziskus sie in die St. Paulskirche führte, und den Hän- den der Benediktincrinnen übergab. Diese Handlung schtc ganz As- sis in Erstaunen. Da Clara erst achtzehn Jahre zählte, so sah man diesen Schritt nur als einen Zug des Leichtsinnes und der ju- gendlichen Unbesonnenheit an. Ihre Verwandten aber hielten sich hiedurch für beschimpft, und geriethen in die höchste Entrüstung. Alles ward aufgeboten, den Willen der Jungfrau zu brechen, ja man bediente sich der Gewalt, sie dem Kloster zu entreißen; allein nichts konnte sie erschüttern. Mit einer Hand den Altar umfassend, und mit der andern ihr abgeschnittenes Haar zeigend, rief sie aus: „Wisset, daß ich nie einem andern Bräutigam, als Jesu Christo, mich weihen, nie ein anderes Gewand mehr tragen werde, als die: ses Kleid der Buße!" Ein so bestimmt ausgesprochener Entschluß schreckte die Feinde ihrer Ruhe zurück. Indessen war der heilige Franziskus der Meinung, daß ihre Sicherheit in dem Kloster St. Angelo de Paulo, ebenfalls Bencdiktinerordens, weniger gefährdet sey, und er brachte sie dorthin, bald darauf aber in ein Haus bei der Kirche des heiligen ^amian. Kaum sechzehn Tage befand sie sich hier, als ihre jüngere Schwester Agnes sich zu ihr gesellte, um Gott auf gleiche Weise zu dienen. Dieses zweite Opfer erbitterte die Verwandten noch mehr. Sie drangen in das Kloster, erfüllten es mit Geräusch und Entsetzen, und entrissen die junge Agnes den Armen ihrer Schwester. Mit Fußtritten ward sie fortgestoßen, mit Schmähungen überhäuft, ihre Kleider wurden zerrissen, während sie betheuerte, daß sie ewig eine Braut des Himmels bleiben werd«. Clara, die der Gewalt hatte weichen müssen, suchte Hilfe bei Gott in einem kurzen, aber inbrünstigen Gebethe. Durch ein Wunder, dessen Zeugen alle Verwandten waren, ward Agnes unbeweglich. Jene erkannten die Hand Gottes, und entfernten sich. Clara sah es, eilte hin, und führte die Schwester in's Kloster zurück, wo sie
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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