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Am 12. August. 5l7
hinreichte, um Alle zu sättigen. Gott zeigte noch durch mehrere an:
dere Wunder, wie väterlich er für alle ihre Bedürfnisse sorge, und
mit Recht nannte man die Clarissinnen, die neben den geistlichen
Verrichtungen sich aber auch sehr fleißig der Arbeit widmen mußten,
cine Zeit hindurch die Töchter der Vorsehung. Nicht weniger, als
die Entäußerung von allen irdischen Gütern, ward ihr strenges Le-
ben bewundert. Außer den Abtödlungen, welche ihr, wie den übri-
gen schon die Regel auslegte, nämlich stets mit nackten Füßen ohne
Schuhe oder Sandalen einherzugchen, auf dem harten Boden zu
schlafer», das ganze Jahr hindurch, oft nur bei Waffer und Brod
zu fasten, ein immerwährendes Stillschweigen zu beobachten, dem
Umgänge mit allen andern Menschen zu entsagen :c. unterwarf sie
sich noch freiwillig so strengen Bußwerken, daß die Schilderung der-
selben die Gränzen der Wahrscheinlichkeit überschreitet. Abwechselnd
trug sie zwei (5iticicn, eines von Haaren, welches sie sich mit einem
dreizchnknotigcn Scil umgürtete, das andere von einer Eberhaut,
daran kurz abgeschnittene Borsten, wie eben so viel Stacheln, ihr
in's Fleisch drangen, und eine beständige Marter verursachten. Wäh-
rend der Fasten vor Ostern und Weihnachten lebte sie bloß von
Waffer und Brod, und brachte die Montage, Mittwoche und Frei-
tage ohne alle Speise zu. Viele Jahre hindurch war der harte
Boden ihr Lager, und einige Binsen ihr Kopfkiffen, und nur auf
ausdrückliches Geheiß des Bischofs von Assis, schlief sie einige Jahre
vor ihrem Tode auf einer Strohmatte. Bei diesem strengen Leben
fchltt es ihr nicht an himmlischen Tröstungen. Gott hatte sie mit
der Gabe der erhabensten Beschauung begnadiget; er theilte sich ihr
auf die innigste Weise mit, und licß sie schon hienieden jene geisti-
gen Freuden kosten, welche ein Vorschmack der Freuden des Para-
dieses sind. Ihr Gebeth war immer von dem gleichen Feuer be-
seelt, und selten ohne den Erguß der süßesten Thränen; ihre Be-
trachtung war eine Art von Verzückung; sie erhob sich mis dersel-
ben ganz entflammt von göttlicher Liebe; ihre Worte waren Feuer,
und von einer Salbung, die jedes Herz ergriff; man nannte sie nur
die „Geliebte Jesu Christi.- „Ich lebe," rief sie mehrmals aus,
„doch nein, ich lebe nicht mehr, Jesus Christus allein lebt in mir,
seiner unwürdigen Magd!" Ihre Andacht zur Mutter Gottes ent-
sprach ihrer Liebe zum göttlichen Sohne; nie ist die heilige Jung-
frau von einer Seele inniger und eifriger verehrt worden. Die
Vüßungcn schwächten ihren Körper, nicht aber ihren Eifer. Als sie
auf den Füßen nicht mehr halten konnte, ließ sie sich zu dem aller-
heiligsten Altarssakrament hintragen, deffeti Anblick sie schon zur
Verzückung hinriß. Schon so hinfällig, daß sie nur noch die Hände
frei bewegen konnte, arbeitete sie doch noch für den Altar, und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen