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518 Die heilige Clava, Jungfrau.
wirkte das Tuch der Corporalien. In Allcm, was das Heiligthum
umgab, liebte sie Kostbarkeit lind Pracht, in allem Andern die Ar-
muth. Kaiser Friedrich I I . hatte dem heiligen Stuhl den Krieg
erklärt, und verwüstete den Kirchenstaat mit einem Heere, welches
zum Theile aus Saracenen bestand. Die Stadt Assis ward bela-
gert , und weil das Kloster der heiligen Clara an die Ringmauern
stieß, so singen die Ungläubigen an, dasselbe zu stürmen. Die Hei:
lige, voll himml,scl,>'n Vertrauens, ließ sich zur Pforte des Klosters
führen, und das Hochwürdigste Gut i» einer silbernen Kapsel vor
sich hertragcn. Dort mit allen ihren Töchtern vor Jesus Christus
niedergeworfen, rief sie aus: „Willst du den Ungläubigen deine ar-
men Dienerinnen Preis geben, die keinen andern Schutz als dich,
kein anderes Vertrauen, als auf dich haben!" Aus dem Ciborium
sollen die Worte ertönt: .,Fürchte nichts, nn'ine Tochter! Ich werde
dich schützen, und dir soll keine Schmach widerfahren;" und die er-
schrockenen Soldaten die schon erstiegenen Mauern sogleich verlassen
haben.
Ein Jahr vor ihrem Tode begab sich der Cardinal von Dstia,
welcher in der Folge unter dem Namen Alexander IV. den aposto-
lischen Stuhl bestieg, als er hörte, daß die Gebrechlichkeit der Hei-
ligen ihr baldiges Ende befürchten ließen, von Perugia nach Assis,
um sie zu besuchen. Nach einem Gespräche, welches seinen Vorbe-
griff von ihrer Gottseligkeit nur noch vergrößerte, wollte er ihr, die
er schon sterbend angetroffen, die heilige Wegzehrung reichcn. Kaum
hatte sie dieselbe mit jener höhcrn, auflodernden Flamme der Liebe
empfangen, welche in diesen letzten Augenblicken die Heiligen immer
durchglüht, als sie neue Kräfte des Lebens gewann. Im folgenden
Jahre besuchte sie Papst Innocenz IV. auf seiner Rückreise aus
Frankreich nach Rom. Mit einer großen Anzahl von Cardinälcn
begab er sich nach Assis. Sie hatte eben die Wegzehrung aus den
Handen des Provinzials der mindern Brüder empfangen. Begleitet
von vier Eardinälen betrat der Papst ihre Zelle; er reichte ihr die
Hand zum Kusse, doch sie ließ sich nicht abhalten, auch seinen Fuß
zu küssen. Dann bat sie ihn demüthigst um Lossprcchung von ih-
ren Sünden, wobei sie durch Worte und Thränen die tiefste Zer-
knirschung ihres Herzens offenbarte. Der Papst ertheilte ihr seinen
apostolischen Segen, und entfernte sich mit der Aeußerung, daß die
Welt an ihr eine der größten Heiligen verliere, so die Kirche jemals
erleuchtet hatten. —
Nach dem Beispiele ihres Vaters, des heiligen Franziskus,
machte sie ein Testament, nicht um ihren Töchtern icitlichc Güter,
denen sie schon längst entsagt hatte, sondern jenen Geist vollkomme-
ner Armuth zu hinterlassen, mit welchem, als dem eigenthümlichen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen