Seite - (000534) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000534) -
Text der Seite - (000534) -
532 Der heilige Ludwig, König von Frankreich.
sein Rath, und hernach die Ruhr, und ei» Fieber, welche ihn dem
Rande des Grabes nahe brachten. Die Bestürzung des Hofes und
der Unterthanen war unbeschreiblich. Heiße Thranengcbethc wurden
im ganzen Reiche zum Himmel geschickt, und die reichlichsten Almo-
sen gespendet, um von Gott die Rettung des AUgeliebte» zu erste--
hen. Ludwig aber blieb ruhigen Muthes, und bereitete sich als
wahrer Christ zum Tode. Er schien schon in den letzten Zuge» zu
liegen, als der Herr, gerührt von den Thränen, Almosen, Gebethen,
dem Jammern und Seufzen eines trostlosen Volkes, ihm das Leben
und die Sprache wieder gab. Der erste Gebrauch, den er von sei:
ner Sprache machte, war, daß er den Bischof Wilhelm von Paris
zu sich rief, von ihm das Kreuz begehrte, und das Gelübde ab-
legte, dem heiligen Lande zu Hilfe zu kommen. Er empfing das
Kreuz mit großer Rührung, küßte es mit zärtlicher Andacht, und er:
klärte, er sey gesund. Nachdem seine Gesundheit vollkommen herge-
stellt war, erneuerte er sciu Gelübde, und rüstete sich zum Krcuzzuge
nach Palästina. Das Gleiche thacen auch seine Untergebenen, zu-
mal die Großen seines Reiches, die früher durch Empörung den
Staat beunruhiget hatten. Er traf die besten Vorkehrungen für
die Sicherheit seiner Staaten während seiner Abwesenheit, und für
die Verwaltung des Reiches, die er seiner Mutter Blanka übertrug.
Mit diesen Vorkehrungen einer weisen Staatsklugheit, verband er
die unzweideutigsten Beweise eines zarten Gewilsens. Er sandte
Bevollmächtige in alle Provinzen aus, um zu erfahren, ob nicht
vielleicht irgend Jemanden in seine,» Namen Unrecht zugefügt wor-
den sey. Man fand wenige Klagen, und die gegründeten erhielten
eine vollkommene Vergütung. —
Als endlich Alles bereitet war, begab er sich »ach St. Denis,
um die Fahne (Orisiamme) zu nehmen, welche Frankreicks Könige
damals vor sich hertrage» ließen, wenn sie in den Krieg zogen.
Darauf wurde der Zug nach einem thränenvollen Abschiede zwischen
Sohn und Mutter, nach der Provence angetreten, wo Ludwig, von
deffen Begleitung die getreue Gemahlin Margaretda sich nicht zurück-
halten ließ, am 25. August 1248 zu Aigues Mortes sich einschiffte.
Kaum war das Schiff bestiegen, als er die Priester den Hymnus:
„Komm heiliger Geist!" anstimmci, ließ. Die Fahrt war schnell
und glücklich. Die erste Lanoung geschah auf der Insel Lyper»,
wo aber Krankheiten eine große Verheerung unter den Kreuzfahrern
anrichteten. Der König besuchte selbst die Kranken, theilte den Ei-
nen Arznei, den Andern Geld aus, und wurde Allen ein liebevoller
Tröster. Er mußte auf der Insel überwintern. Diese Zeit benutzte
er, die entzweiten Bewohner derselben, Griechen und Lateiner, zu
versöhnen; ja er war so glücklich, jene von der Spaltung zur Kirche
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen