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Am 15. Jänner. 537
wähnte Kloster zur Erziehung. Diese ward begleitet von ihrer
Amme, der (Gräfin Olympia, die lieber die Klostereinsamkcit wählen,
als von ihr sich trennen, und ihrer Pflege und Aufsicht sicl> entzie-
hen wollte. Der fromme Sinn, die zärtliche Andacht, und oic sel-
tene Eingezogcnheit, welche die kleine Margarita offenbarte, wurden
von allen Klostcrgcnoffcn bewundert. Die Kirche war dem zarten
Mädchen der liebste Aufenthaltsort. Oft sagte sie zu ihren Gespie-
linnen: „Statt des Spielcns wollen wir in die Kirche gehen, Gott
und die göttliche Mutter zu preisen;'' und wenn ihre Lchrmeisterin
Helena sic, aus Sorge für ihren schwachen Körper, vom Gebethe
zurückziehen wollte, so bat sie mit Thränen so lange, bis ihr die
ungehinderte Uebung desselben wieder gestattet wurde. — Wahre
Frömmigkeit ist immer verbunden mit tiefer Demuth. — Margaritha
ließ sich daher nicht gerne eine Königstochter nennen, beseitigte, so
viel sie konnte, die Besuche ihrer königlichen Eltern, auf daß sic den
Glanz, der ihr dadurch vor ihren Mitschwcstcrn zu Theil würde,
vermiede, und beklagte sich oft, eine Königstochter, und reich zu
sevn, weil sie Gott als Tochter gemeiner oder armer Leute desto un-
gestörter dienen könnte.
Mit kindlicher Verehrung Gottes verband Margarita die zärt-
lichste Liebe zu dem gekreuzigten Heilande Jesus Christus. Als sie,
vier Jahre alt, ein Kreuz sah, fragte sie einige Mitschwcstern, was
es sey? Sie antworteten ihr, es sey das Zeichen des Kreuzes, cn
welchem der Sohn Gottes sein Blut zu unserer Erlösung vergösse,
habe. Mit frommer Rührung umfaßte sie sogleich das Kreuz, küßt!
es, warf sich vor demselben nieder, bethete den Heiland an, un>
rief mit lauter Stimme: ,.,,Herr, dir übergebe ich mich!" Von di>
ser Zeit an hegte sie gegen das heilige Kreuz eine so glühende An
dacht, daß sic durch nichts sich abhalten ließ, vor jedem Krucifix,
bei dem sie vorüber ging, sich anf die Kniee zu werfen, und den
gekreuzigten Erlöser der Menschen anzubethen, und nun fortwährend
ein kleines Kreuz bci sich trug, das sie bei Tag und bei Nacht mit
inniger Rührung küßte, und mit Liebesthräncn benetzte. Sehr oft
vergaß sie, bethend vor dem Krucisir, bci dem sic sich im Hingange
zum Refektorium jedesmal auf die Kniee warf, öes Essens, zu wel-
chem sie gehen wollte. Den Namen Jesus sprach sie sehr oft aus,
und immer mit einer Andacht, durch welche die Glut ihrer Liebe zu
dem göttlichen Erlöser, wirer ihren Willen, sich offenbarte. Noch
weniger konnte sie diese Licbcsglut verbergen in der geheimnißvollen
Gegenwart des Gottmenschen bei dem hochheiligen Opfer, und bei
der Kommunion. Immer vergoß sie da häufige Thränen, und
brachte den Kommuniontag jedesmal in Gebeth und Fasten zu
Zärtliche Verehrung bewies sie auch der göttlichen Mutter. So of
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen