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Am !« . Jänner. 539
halte. Mit allen lebte sie in aufrichtigster Liebe. Nie gab sie An-
laß zu einer Entzweiung. Wurde eine solche bisweilen von andern
gegeben, so warf sie sich ihnen zu Füßen, flehte um Vergebung,
obgleich sie keine Schuld hatte, und um das köstliche Kleinod des
Friedens. — Sie hatte die feierlichen Gelübde schon abgelegt, als
sie von dem Herzoge in Posen, dann von dem Könige in Polen,
und endlich von Karl von Anjou, dem Könige von Sicilien zur
Ehe verlangt wurde, mit der Versicherung, daß die Dispensation
von ihren Gelübden vom Papst ertheilt werde. Allein nichts war
vermögend, sie zu trennen von dem göttlichen Gesponsc, ihrem über
Alles geliebten Erlöser, dem sie ihre jungfräuliche Reinigkeit in frü-
her Kindheit schon gelobt hatte. „Eher," sagte sie, „wollte ich
mich durch Wegschncidung der Nase und der Lippen und durch Aus-
stcchung der Augen verunstalten, als durch das Band der Ehe tren-
nen die mit Jesu Christo geschlossene Verbindung." Da die Tar-
taren in Ungarn einfielen, und Margaritha hörte, daß sie sich ge-
waltsame Ausschweifungen gegen die Weibspersonen erlaubten, sprach
sie: „Ich weiß, was ich thun will. Ich werde mir die Lippen weg:
schneiden, und sie werden mich, wenn ich so verunstaltet di», unbe-
rührt lassen/- So theuer war der Gott geweihten Jungfrau der
Schatz unbefleckter Reinigkeit.
Mehr als alles Andere verabscheute die heilige Margaritha den
Müßiggang. Fortwährend, vom frühesten Morgen bis zum Abend,
und fast immer auch den größten Theil der Nacht war sie beschäf-
tiget im Gebethe und heiliger Betrachtung, oder durch Verrichtun-
gen im Kloster, oder durch Werke der Liebe, die sie an ihren Mit-
schwestcrn übtc. Wenn frühe Morgens das Zeichen zur Mette ge-
geben wurde, hatte sie schon in der Zelle, kniecnd, Gott das erste
Morgenopfer dargebracht. Nur allein schwere Krankheiten vermoch-
ten, sie vom Besuche des Chors, den sie fast immer zuerst betrat,
und zuletzt verließ, zurückzuhalten. Nach der Mette setzte sie die
Andacht fort, wohnte dann dem hochheiligen Opfer bei, und hörte
nach Vollendung desselben nicht auf zu bethen und zu betrachten,
bis Mittag. Nachmittags verrichtete sie die obliegenden körperlichen
Geschäfte, und die Dienste der Liebe. Nach der Complct blieb sie
immer noch so lange in der Kirche, bis die Thüren geschlossen wur-
den. Oft bat sie die Sakristanin, dieses später zu thun, um noch
länger im Heiügthume verweilen zu können. Vor dem Bilde dc's
Gekreuzigten stieg ihre Inbrunst auf's Höchste. Nicht selten sah
man sie da — hingerissen vom heiligen Entzücken — wie au-
ßer sich.
An den Festtagen der heiligen Märtyrer beschäftigte sie sich mit
der Lebens: und Todesgeschichtc derselben. Dadurch ward in ihrem
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen