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Am 7. März. 545
und, nachdem seine Begleiter, vier Dominikaner, waren entlassen
worden, in ein ihrem Vater gehöriges Schloß gebracht. Da ward
er bereits ein Jahr lang, wie ein Gefangener, verwahrt. Man
ließ nichts unversucht, ihn zu bewegen, daß er den Dominikaneror-
den verlasse. Alle Künste der Ueberredung, Bitten, Schmeicheleien,
Drohungen und selbst Mißhandlungen wurden dazu angewendet.
Allein nichts war im Stande, ihn in seinem Entschlüsse wankend zu
machen. Man zerriß ihm seine Mönchskleider, er wollte sich aber
lieber mit den Stücken derselben decken, als andere anziehen. Einer
von stinen Schwestern brachte er gleiche Gesinnung bei durch Briefe,
die er aus dem Schlosse an sie schrieb. Auch sie entsagte der Welt,
trat in den Benediktinerorden, und wurde in der Folge Äbtissin in
dem Kloster zu Capua. Während seiner Gefangenschaft las er die
ganze heilige Schrift, nebst mehreren andern gelehrten Werken, und
bereicherte sich dadurch mit vielen heilsamen und nützlichen Kenntnis-
sen. Im Umgänge mit Gott, in vertrauensvollem Gebethe, fand
er fortwährend Kräftigung seiner Gemüthsruhe, und der ausharren-
den Geduld bei den vielen Kränkungen, die er erdulden mußte.
Endlich ließ ihn die Mutter, mittelst eines vom Fenster herabgelas-
senen Strickes, bei der Nacht heimlich die Fluü^t ergreifen. Auf
solche Weise kam er im Jahre 1244 nach Neapel wieder zurück.
Von da wurde er nach Rom geschickt zu dem Ordensgeneral Io :
hann, der eben im Begriffe war, nach Frankreich zu reisen, und ihn
mit sich zuerst nach Paris, und dann nach Köln nahm. An letzte-
rem Orte verweilte er, und widmete sich den geistlichen Wissenschaf-
ten unter der Leitung des berühmten Albert, des Großen. Die
glänzenden Fortschritte, die er da gemacht hat, werden nur begreif-
lich, wenn man bedenkt, daß alles Licht heilsamer Erkenntniß von
Oben, vom Vater des Lichtes kommt, — daß der fromme Thomas
unablässig darum gefleht, und durch fortwährende Vereinigung mit
Gott, und rastlosen Fleiß sich desselben würdig und empfänglich ge-
macht hat. Er pflegte daher zu sagen: er habe bei den Füßcn des
gekreuzigten Heilandes mehr gelernt. ^ls in allen Büchern, — und
als man ihn ersuchte, die beste A>" zur Erlernung der Wissenschaf-
ten anzugeben, erwiederte er: man i^üsse wenig reden, viel bethen,
von Auflösung der leichtesten Fragen nach und nach zu den schwer-
sten fortschreiten, und nie sich in Streitfragen, welche die menschli-
chen Kräfte übc^eigen, zu tief einlassen. Diese Regel beobachtete
er selbst sehr pünktlich.
Im Jahre 1245 wurde Albert, der Große, nach Paris beru-
fen, an der dortigen hohen Schule Vorlesungen zu halten. Er
nahm auch den Thomas dahin, und führte ihn dann im Jahre
1248 mit sich wieder nach Köln zurück, wo er ihn nun auch, un-
Zweiter Band. 25
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen