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546 Der heilige Thomas von Aquin, Mönch :c.
ter seiner Aufsicht, Vorlesungen halten l!esi. Vier Jahre hielt er
sie mit großem Beifalle, so wie er auch durch Frömmigkeit in sei-
nem Kloster herrlich leuchtete. Im Jahre 1253 wurde er zum Lehr:
amte nach Paris berufen, wo er gleichen Ruhm erlangte. Es be-
stand zwar ein Verboth, daß Niemand vor zurückgelegtem fünf und
dreißigsten Altersjahrc den Lehrstuhl besteigen solle; allein die hohe
Schule machte mit Thomas, der jetzt erst sieben und zwanzig Jahre
alt war, eine Ausnahme, anerkennend seine tiefen Kenntnisse, seine
seltene Lehrgabe, und den hohen Grad seiner Tugend. Papst Ale-
xander IV. setzte auf die Gelehrsamkeit, auf die tiefen Einsichten
und auf die Frömmigkeit des Thomas so großes Vertrauen, daß er
ihn zu sich nach Anagni berief, und ihn beauftragte, in Verbindung
mit Bonavcntura und Albert dem Großen ein Buch zu prüfen und
zu widerlegen, durch welches Wilhelm von St. Amour großen An-
stoß bei allen Gutdenkenden, und den Zwiespalt zwischen der hohen
Schule zu Paris und den Mendikanten veranlaßt hatte. Thomas
rechtfertigte das auf ihn gesetzte Vertrauen über alle Erwartung, in:
dem er sowohl in der mündlichen, als schriftlichen Behandlung des
vorgelegten Gegenstandes so tiefen Scharfblick, so besonnenes Ur-
theil, so glühenden Eifer für die Wahrheit, aber auch so sanfte
Schonung gegen die Widersacher derselben zeigte, daß der Papst
seine Bewunderung ihm nicht versagen konnte.
Nach seiner Rückkehr von Anagni setzte Thomas seine Vorle-
sungen in Paris mit gewohntem Eifer wieder fort. Seine großen
Verdienste wurden allgemein anerkannt, und sein Ruhm nicht bloß
in Frankreich, sondern auch in Italien und andern Ländern verbrei-
tet. Er allein erkannte an sich kein Verdienst, verlangte keinen
Ruhm, denn er war von Herzen demüthig. Unter den Lehrern der
hohen Schule zu Paris entstand ein Streit über die Lehre vom hei-
ligsten Altarssakramente. Dieß veranlaßte den Thomas, darüber ein
Werk zu schreiben, welches ein reiner Ausfluß seiner tiefen Erkennt:
niß, und seines gläubig frommen Herzens war. Es wurde mit so
großem Beifalle aufgenommen, daß es allen Lehrern zur Richtschnur
vorgelegt wurde. Um diese Zeit wurde das hohe Frohnleichnams-
fest eingeführt, und Thomas bekam von Papst Urbau IV. den Auf:
trag, auf dasselbe die kirchlichen Tagzeiten zu verfassen, deren Ein-
fachheit , Würde und Salbung wir gegenwärtig noch bewundern.
Solche Verdienste konnten nicht verborgen bleiben in erleuchteten
und frommen Könige Ludwig IX. Er schätzte den Thomas sehr
hoch, schenkte ihm großes Vertrauen, erholte sehr oft bei ihm sich
Rathes, und zog ihn vielfältig an seine Tafel. Dadurch ward aber
der fromme Mann nur desto dcmüthiger, und arbeitete mit ange-
strengtem Fleiße fort im Lehramte, und in Verfassung verschiedener
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen