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558 Die heilige Margarita von Cortona, Büßerin.
einen scheußlichen Anblick. Dieß war die Stunde der Gnade für
Margarita. Sie wavd tief erschüttert in ihrem Innersten. Lebhaft
stellten sich die Verirrungcn ihres bisherigen Lebens, und die schreck:
lichen Folgen derselben, ihrem Geiste dar. Sie erzitterte vor dem
Abgrunde, dem sie nahe war, verabscheute ihren Leichtsinn und die
in demselben verübten Ausschweifungen, vergoß Thränen tiefer Reue,
gelobte Besserung, und stufzte zum Himmel um Vergebung und um
Gnade. Gott kräftigte in ihr diesen Geist der Buße. In einem
schlechten Trauergewande, mit, durch die häufigen Thränen, entstell-
tem Gesichte kehrte sn- ^u ilnvm Vater zurück; der sie aber, aufge-
reizt von seiner Frau, ihrer Stiefmutter, nicht aufnahm, sondern mit
unerbittlicher Hartherzigkeit von sich stieß. Seufzend setzte sie sich
in den Garten desselben unter einen Feigenbaum, und überlegte in
bitterer Trostlosigkeit, was sie nun, auch von dem eigenen Vater
verstoßen, anfangen wolle. Gottes Gnade rief in ihrem Innern,
sie solle den Weg der Bußc nicht mehr verlassen; dagegen sträubte
sich aber ihre Sinnlichkeit, die ihr die glänzendste Laufbahn vor:
gauckelte, wenn sie sich der frühern Lebensweise fernerhin überlassen
würde. Der Kampf war schwer. Endlich siegte der Ruf der Liebe
des barmherzigen himmlischen Vaters. Muthvoll faßte sie den Ent-
schluß, nach Cortona zu gehen, und daselbst den Bußorden der Ter-
tiarinnen des heiligen Franziskus anzunehmen. — —
Der heilige Franziskus hatte nämlich einen dritten Orden er-
richtet, für Personen beiderlei Geschlechtes, welche den Beruf, den
sie in der Welt hatten, nicht verlassen konnten. Er schrieb ihnen
Regeln zu einem vollkommenen Wandel vor, und ließ, statt der Ge-
lübde , sie das Versprechen ablegen, Gottes Gebote treulich zu be-
obachten , und sich der Leitung, und bei Uebcrtretungen auch den
Büßungen der Ordensobern zu untcrwl'l'fen. Sie trugen unter dem
weltlichen Kleide ein Bußgewand. Margarita kam nach Cortona,
und bat flehentlich um das Bußgewand, und um Aufnahme in den
eben erwähnten Bußorden. Der O.uardian des Ordens nahm An-
stand, ihrer Bitte sogleich zu willfahren, wegen ihres jugendlichen
Alters, und noch mehr, weil er mit Rücksicht auf ihre bisherige Le-
bensweise den Bestand ihrer Bekehrung erproben zu müssen glaubte.
Sie bestand diese Probe auf eine Weise, welche allgemeine Bewun-
derung erregte. Ihr Leib, den sie vorher so zärtlich gepflegt hatte,
war jetzt mit einem sehr schlechten Gewände bedeckt, und hatte zur
nachtlichen Ruhe fast immer nur den harten Boden; ihr Fleisch,
dessen Gelüsten sie Alles geopfert hatte, kreuzigte sie nun durch stren-
ges Fasten, durch Nachtwachen und andere schmerzliche Peinigungen;
statt an eitlem Lobe oder Schmeicheleien, wie vorhin, sich zu er-
götzen , hielt sie sich, im schmerzlichen Gefühle ihrer Nichtigkeit, ei-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen