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562 Der heilige Ludwig, Bischof von Toulouse.
Thoren, die es zu sehr begünstiget. Unglücklich ist daher jeder,
dem nichts Widriges begegnet, denn er bleibt sich selbst fremde, weil
er nie eine Probe bestanden hat, oder er ist, weil er, seiner Echwacl'-
heit wegen, keiner Prüfung ausgesetzt werden kann, Gott nicht ge-
fällig. In der Trübsal bewährt sich der Mann u. s. w." Diese
wahrhaft christliche Gesinnung belebte er durch das Gebet!), welchem
cr sich in der Gefangenschaft noch eifriger, als zuvor, bei Tag und
bei Nacht widmete, und durch die geistliche Betrachtung, die er an
keinem Tage versäumte, und die seinem Geiste immer die Bergan^
lichkeit und Nichtigkeit des Irdischen hell offenbarte. Versenkt in
die Betrachtung des Leidens Christi, bei der heiligen Messe und bei
jedem andern Anlasse war seine Seele immer hocherfreut, einiger-
maßen Theil nehmen zu können an dem Kreuze seines über Alles
geliebten Erlösers.
In Barcelona fehlte es nicht an Reizuxgen, welche die Mi ,
nigkeit des jungen Prinzen auf die Probe stellten. Er aber wider:
stand starkmüthig einer jeden derselbe, bewachte strenge sein He>^
und seine Sinne, vermied Vorsicht^ jede Gesellschaft, jedes Verqnü
gen, und alle anderen Ablässe, die seiner unbefleckten Unschuld hat:
ten zur Gefahr werden können. Seinen Geist kräftigte er zum Wi-
^rstande durch Gebeth, durch den Umgang mit gottcsfürchtigen
Männern, und durch den vielmaligen Empfang der heiligen Sakra-
mente; seinen Körper bezähmte er durch Mäßigkeit, durch Fasten und
durch andere Werke der Abtödtung. Einmal wurde er besucht von
Vornehmen der Stadt Barcelona, die auch schamlose Weibspersonen
bei sich hatten. Sie erlaubten sich anstößige Reden, in der Absicht,
unlautere Gelüste in ihm zu entflammen. Mit einem ernsten Ver-
weise wies er jene, und mit Abscheu diese von sich, und ermähnte
sehr nachdrücklich seine Brüder, öor solcher Gesellschaft sich zu bü-
ten. Ein sehr kräftiges Mittel zur Bewahrung seiner Reinigkeit,
und überhaupt zur Ford rung seiner Tugend, fand er in der bestän-
digen Thätigkeit. Mit großem Fleiße widmete er sich den Wissen-
schaften, in denen er unter Leitung zweier eben so geschickter, als
frommer Geistlichen aus dem Orden des heiligen Franziskus, glän-
zende Fortschritte machte. Die Liebe zu diesen Männern, und die
Verehrung, die er gegen ihre Genossenschaft hegte, mag eine vor-
zügliche Ursache gewesen seyn, daß er in einer gefährlichen Krankheit
das Gelübde ablegte, in den Orden des heiligen Franziskus zu tre:
ren, wenn er seine Gesundheit wieder erlangen würde. Nach seiner
Genesung, die gegen alle Erwartung, wie durch ein Wunder er-
folgte, wünschte er nichts sehnlicher, als fein Versprechen recht bald
erfüllen zu können.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen