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564 Der heilige Ludwig, Bischof von Toulouse.
nnmg, worauf er im Kloster Aua Cöli am Vorabende des heiligen
Wcihnachtfestes 1296, in den Orden dcs heiligen Franziskus sich
aufnehmen ließ, und die Ordcnsgclübde feierlich ablegte. Der Papst
bewilligte ihm, aus Schonung für dessen Vater, den König, noch
einige Zeit, statt des Habits, die Kleidung der Weltpriester zu tra-
gen. Nach kurzer Zeit offenbarte er aber selbst seine Profesi, indem
cr im gemeinen Ordensgewande öffentlich in Rom herumging. Im
Februar dcs folgenden Jahres ward er zum Bischöfe geweiht.
Auf seiner Reise nach Toulouse wurde ihm aNcr Orten große
Ehrerbietung bewiesen. Dadurch ward aber der demüthige Mann
tief gekrankt. Zu Florenz nahm er Herberge im Kloster zum hei:
ligen Kreuze. Als cr da in das für ihn, nach seiner Würde als
Königssohn, bereitete, sehr glanzende Zimmer geführt wurde, sprach
er: „Solche Wohnung geziemt nicht einem Schüler des heiligen
Franziskus, sondern einem weltlichen Fürsten." Alles glanzende und
kostbare Gerathe mußte sogleich entfernt werden. Das Bett allein
blieb im Zimmer. Aber auch dieses benutzte er nicht, sondern schlief
auf seinem, über den Boden ausgebreiteten Mantel. Als ein armer
Ordensgeistlicher gekleidet, erschien cr in seinem Bisthume. Zu
Toulouse wurde er mit großem Gepränge empfangen. Seine Be-
scheidenheit, seine Frömmigkeit und seine Sanftmut!) erfüllten die
Herzen Aller, die ihn sahen, mit Verehrung und Liebe. Seine erste
Sorge war, die Spitäler zu besuchen, und den Bedürfnissen der
Unglücklichen abzuhelfen. Von den Einkünften behielt er nur den
vierten Theil zum Unterhalte seines Hauses, das Uebrige bestimmte
er für die Armen, deren er an jedem Tage fünf und zwanzig an
seinem Tische speiste. Sehr oft bediente er sie selbst, und biswei-
len sogar kniecnd auf der Erde, weil er in ihnen seinen Heiland,
Jesum Christum verehrte. Er bereiste seinen bischöflichen Sprengel,
und ließ überall das gesegnete Andenken seines Eifers, seiner Liebe
und seiner Heiligkeit zurück. Strenge prüfte er die Lehre und den
Wandel derer, die durcy seine Händeauflegung in's Heiligthum ein.
gehen wollten, und eben so sorgfältig bewies er sich bei Verleihung
der geistlichen Pfründen. So mühevoll auch seine apostolischen Ar:
beiten waren, ließ er doch nicht im Mindesten nach von den Uebun:
gen der Andacht, und von seinen strengen Bußübungen. Alle Tage
entrichtete er das heilige Opfer, und predigte oft.
Auf seiner Rückreise von Katalonien, wo er seine Schwester
besucht, und eine Kirche zu Barcelona eingeweiht hatte, hielt er zu
Trascone eine rührende Predigt zum Lobe der heiligen Martha, die
den Heiland so liebevoll bewirthet hatle. Bald darauf wurde er
von einem Fieber befallen, wcßhalb cr sich auf das Schloß Brigno?
les bringen ließ. Das Fieber ward mit jedem Tage heftiger, und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen