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566 Der heilige Itzo, Advokat und Priester.
frommen und unbefleckten Wandel. Alo er vier und zwanzig Icchrc
alt war, begab er sich nach Orleans, um da sich eigen zu machen
die Kunde des geistlichen und weltlichen Rechtes unter Anleitung der
damals berühmten Lehrer Guilelm Vlajo, und Peter Lapella. Mit
seinem rastlosen Eifer nach schönen, nützlichen und heilsamen Kennte
nissen verband er auch hier die nnabläßige Sorge für die Heiligung
seines Sinnes und seines Wandels. An keinem Tage versäumte er
das Gebeth und die geistliche Betrachtung. Sehr andächtig wohnte
er immer dem hochheiligen Opfer bei. Sorgfältig bewahrte er die
jungfräuliche Reinigkeit, und bezähmte in dieser Absicht eben so
strenge als wachsam seine Sinne. Er versagte sich den Genuß des
Fleisches und des Weines, nahm an den Freitagen nur einmal
Speise zu sich, unterwarf seinen Körper mancher andern Abtödtung,
und vermied überhaupt Alles, was ungeordnete Neigungen in seinem
Herzen hätte erregen, und dadurch seine Tugend in Gefahr setzen
können. Vielfältig las er die Lcbensgeschichtc der Heiligen; aber
nicht, wie es vielfältig geschieht, seine Neugierde zu befriedigen, son-
dern auf daß er seinen Eifer ^u immer höherer Vollkommenheit ent:
flamme, weßwegen er Alles, was er nachahmungswerth fand, auch
wirklich nachzuahmen mit großer Anstrengung sich bestrebte. Immer
mehr sah sein lauterer Geist ein, die Nichtigkeit der blos irdischen
Bestrebungen und Hoffnungen, und immer reger ward dadurch das
Verlangen, nur allein für die Ehre Gottes und das Seelenheil zu
wirken. Kaum hatte der rhedonische Erzdiakon, Mauritius von Ren,
nes, Kunde von den schönen Eigenschaften des Ivo Helorii erlangt,
cl^ er denselben zu sich berief, und zum Vorstande des geistlichen
Gerichts machte. Nicht lange nachher kam er in sein Vaterland,
in die bischöfliche Stadt Trequier, wo er von den Bischöfen, Alar
und Gottfried, mit diesem Amte beauftragt wurde. Heilig war
ihm die Gerechtigkeit, die er eben so schnell, als unpartheiisch übte,
und heilig die Pflicht, die Entzweiten zu versöhnen, und Friede und
Eintracht zwischen ihnen zu vermitteln. IVdc unrechtliche Zumuthung
erregte seinen Unwillen, und weder der Parthcien hoher Rang, noch
ihr großer Reichthum, diese gefährlichen Fallstricke der Richter und
Rechtsanwälte, machten bei der Verhandlung und Aburthcilung der
Prozesse einen Eindruck auf ihn. Bei jeder Streitsache, die vor
sein Gericht gebracht wurde, wendete er, bevor er sie der rechtlichen
Behandlung unterzog, Alles an, die Streitenden auf dem Wege der
gütlichen Ausgleichung zu vereinigen, und in dieser edlen Bemühung
war er so glücklich, daß richterliche 'Aussprüche nur selten erfolgen
mußten. Die Armen, die Wittwen und die Waisen hatten an ihm
einen muthvotten Beschützer. Hatte er sich von der Gerechtigkeit
lh«5r Sache überzeugt, so machte er ihren Rcchtsanwalt, ohne Rück-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen