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Am 19. Mai. 567
sicht, welche Mühe es ihn koste, oder welchem mächtigen Gegner er
in den Weg treten müsse. Nicht nur ließ er in allen solchen Fäl-
len keine Belohnung von ihnen sich aufdringen, sondern zahlte auch
noch die anderweitigen Kosten für sie. Nur ein Beispiel von die-
sem seltnen christlichen Edelmuthe soll hier stehen: Ein Offizier, Ri-
chard lc Roux, hatte Klage gegen den Abt zu St. Maria von Re-
lcc; war aber zu dürftig, sein Recht'gegen einen so reichen und
mächtigen Gegner auf gerichtlichem Wege zu erkämpfen. Ivo ließ
ihn schwören, daß seine Angaben wahr, und daß er von der Ge-
rechtigkeit seiner Sache überzeugt sey; übernahm dann den Handel,
gewann ihn, und verschaffte auf diese Weise dem Manne Recht,
ohne auch nur die geringste Vergeltung von ihm anzunehmen. —
Allgemein wurde dem frommen Ivo der ehrenvolle Name „Advokat
der Armen, Wittwen und Waisen'- beigelegt. Wahrlich ein Ruhm,
dem kein anderer gleich kommt! — Nicht nur schätzte Ivo die Ar-
men, sondern reichlich unterstützte er sie auch, indem er den größten
Theil seiner Einkünfte ihnen mittheilte, und auf jede andere Weise
ihre Noth zu erleichtern suchte.
Der Bischof Alar hatte seinen Official Ivo, zum Theile wider
dessen Willen, weil er sich des heiligen Amtes unwürdig hielt, aus
den Titel der Kirche zu Tresdenz, zum Priester geweiht. Nach
Alars Tod verwaltete Ivo das Amt eines Officials auch bei dessen
Nachfolger, dem Bischöfe Gottfried; legte es aber bald nieder, zog
sich von dem Getümmel der Welt zurück, und übernahm die Pfarrel
zu Tresdenz. Nach acht Jahren wurde ihm von dem Bischöfe die
Pfarrei zu Locharez übertragen, die er zehn Jahre lang, bis zu sei-
nem Tode, verwaltete. Als Pfarrer war er, was jeder Pfarrer in
seinem hohen Berufe seyn soll — »der gute Hirt der ihm anver-
trauten Heerde" sich ganz opfernd dem Wohl der Schafe, und nichts
suchend, außer das Heil der Seelen, die der Sohn Gottes durch
sein theures Blut erlöset hat. Zum großen Segen war er nicht
nur allein seinen beiden Pfarreien Trcsdenz und Locharez, sondern
auch umliegenden Gegenden, durch die Verkündigung des göttlichen
Wortes, durch die eifrige Spcndung der heiligen Sakramente, durch
die rastlose Bemühung in Bekehrung der Sünder, durch die liebe-
volle Unterstützung der Armen, durch die warme Theilnahme an der
Noth was immer für Bedrängter, und durch das Vorbild seines
heiligen Wandels. Dieser sein Wandel war das lautere Vorbild
wahrer Gottseligkeit, der reine Abdruck seines lebendigen Glaubens,
den er unablässig belebte und kräftigte durch Gebeth, durch heilige
Betrachtung und durch die übrigen Heilsmittel. Täglich entrichtete
er das hochheilige Opfer mit einer Andacht uno Rührung, die häu-
fig durch Seufzer und Thränen sich offenbart^ Nie versäumte er
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen