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568 Der heilige Ivo, Advckat und Priester.
die kirchlichen Tagzeiten; außerdem wiometc er viele Stunden des
Tages und der Nacht dem Gebethe, der Betrachtung, der geistlichen
Lesung, zumal in der heiligen Schrift, die er fast immer bei sich
trug. Ganz im Sinne des Apostels Paulus züchtigte er seinen Leib,
auf daß er nicht, da er Andern predige, selbst verworfen werde.
Er züchtigte ihn, indem er sich alle Beschwernisse, die mit der Aus:
Übung seines Amtes und seiner Pflichten verbunden waren, gefallen
ließ, und darüberdin Werke strenger Abtödtung freiwillig ausübte.
Die Einkünfte seiner Pfarrei waren keineswegs kärglich; er aber
wendete nur einen kleinen Theil derselben zur Befriedigung der drin:
gendstcn leiblichen Bedürfnisse, und den weit größern zu Werken der
Wohlthätigkeit und der Liebe an.
Auch Ivo erfuhr, was alle guten Menschen erfadren müssen,
daß die Tugend von den Kindern der Welt gehöhnt, gelästert, ver-
leumdet und verfolgt werde; er bewies aber durch andauernde Sanft:
muth und unerschütterliche Geduld, wie's jeder wahrhaft gute Mensch
beweisen muß, daß er ein getreuer Jünger seines sanftmüthigen, und
ohne Widerrede duldenden Heilandes sev. Mit pflichtmäßiger Sorge
bewachte Ivo die Geräthe, die Güter, und die Gerechtsame seiner
Kirchen. Mit Muth kämpfte er für die Erhaltung derselben, nicht
scheuend die Macht oder den übermüthigen Trotz derer, von denen
sie angefochten wurden. Die jungfräuliche Reinigkeit, die er über
Alles schätzte, und daher auch in seinen Predigten nachdrücklich cm:
pfähl, bewahrte er unbefleckt bis zu seinem Tode: er vermied deß:
halb auch jede zweideutige Rede, jeden muthwilligcn Scherz, und
jeden Umgang, der ihm selbst, oder Andern, zum geringsten Anstoße
hätte seyn können. So vieler und so großer Tugenden wegen wurde
er gewöhnlich der heilige Priester genannt, und eben so hoch als
allgemein, zumal von seinen Pfarrkindern verehrt und geliebt. —
Sieben Wochen vor seinem Tode sagte er, die Abnahme seiner Kräfte
fühlend, daß er nicht mehr lange leben werde; sehnte sich, wie der
durstende Hirsch nach der Wasserquclle, nach seiner Auflösung, und
bereitete sich sehr ernstlich auf dieselbe vor. In den letzten Tagen
seines Lebens entrichtete er noch das hochheilige Opfer, obgleich er
so schwach war, daß er während desselben fortwährend gehalten
werden mußte. Drei Tage vor seinem Ende wurde er besucht von
dem Pfarrer von Franchet, der ihn angekleidet auf der Erde, mit
einem Steine unter dem Kopfe, liegend antraf, ihm deßhalb einen
sanften Verweis gab, und ihn bereden wollte, wenigstens ein Stroh
sich unterlegen zu lassen. Allein der demüthige, im Geiste der Buße
duldende Krauke^ erwiederte ihm: ..Ich bin eines bessern Lagers nicht
werth. Gerade so, wie ich es habe, ist es recht für mich." Am
vorletzten Tage vor seinem Tode ließ er es endlich zu, daß man
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen