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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
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570 Die selige Nothburga, Iungftau und Dienstmagd. fang der Weisheit," und sie frühe zu gewöhnen zur Arbeitsamkeit, die dem Leibe Nahrung, und der Seele machtigen Schutz gegen die Sünde schafft. Nothburga entsprach vollkommen den frommen Ab: sichten, und den redlichen Bemühungen der Eltern, und machte da: durch sich fähig, schon im achtzehnten Altersjahre auf dem Schlöffe Nottenburg in Dienst zu treten, bei der edlen Herrschaft Heinrich von Rottenburg, und dessen Gemahlin Gutta. Durch Bescheiden- heit, Fleiß, Treue, Gehorsam und züchtiges Betragen, erlangte sie sehr bald, nicht bloß die Zufriedenheit ihrer Herrschaft, sondern auch deren aufrichtige Achtung und wohlwollende Liebe. Heinrich und Gutta waren schon alt, und hatten zwei Söhne, von denen der Eine ebenfalls Heinrich, der Andere Siegfried hieß. Ersterer war schon vermählt mit eincr gewissen Otilia, und der Erbe des Schlos- ses, sowie der Herrschaft Rottcnburg. Seine Eltern empfahlen ihm auf das Angelegenste die fromme Magd Nothburga, als ein Muster eines treuen und gotteofürchtigcn Dienstboten. So lange die Herrschaft, welche überaus mildthätig gegen die Armen war, noch lebte, hatte Nothburga den Auftrag, Alles, was von der herrschaftlichen Tafel und dem Dienstbotentische übrig blieb, den Armen zu geben. Diesen Auftrag besorgte sie eben so gerne als gewissenhaft; denn sie hatte ebenfalls großes Mitleiden mit den Armen. Vielleicht mag sie im elterlichen Hause schon erfahren ha- ben, was Armuth sey, wie hart sie drücke, und dadurch noch wei- cher, und gefühlvoller geworden seyn. Dazu kam ihr frommer Sinn, dem MildtMigkcit und Erbarmniß eine Christenpflicht ist, die er gerne übt. Die junge Frau Otilia war härteren Herzens, als ihre Schwiegermutter Gutta, und sah deßhalb mit scheelen Augen au> die Gaben, welche durch ihre fromme Magd taglich vertheilt wur- den. Gerne hatte sie eine Abänderung getroffen, wenn sie nicht vor ihren Schwiegereltern sich gescheut hätte. Kaum waren aber diese gestorben, als sie der Nothburga auftrug, nicht mehr den Armen, sondern den Schweinen die Ueberblcibsel des Tisches zu geben. Die- ser Auftrag drnng der mitleidsvollen Magd tief in das Herz. Ih- rem eigenen Munde glaubte sie entzogen, was sie den Armen nicht mehr geben durfte. Ihr gutes Herz befand sich in großer Verle- genheit. Gehorsam gegen die Herrschaft ging ihr über Alles, und doch wünschte sie sehnlichst, auch den Dürftigen beizustehen. Die Liebe gab ihr ein Mittel ein, wie sie dieses, wenigstens zum Theile noch thun könne. An jedem Freitage begnügte sie sich mit einem Stücklein Brod und mit Wasser, und gab, was sie auf diese Wcisc an ihrem Munde erspart hatte, den Armen hin. Allein diese aanz unschuldige und so edle Gutthätigkeit, wollte die hartherzige Otilia länger nicht mehr gestatten. Sie brach'tc daher gegen Nothburga
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Titel
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Untertitel
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
Band
2
Autor
Anton Mätzler
Verlag
Landshut Verlag
Ort
Wien
Datum
1840
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
9.8 x 16.9 cm
Seiten
982
Schlagwörter
Kirche, Gott, Glaube, Religion
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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