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Am 19. Mai. 573
Sein ältester Sohn, der auch Heinrich hieß, ward in der Folge
Obersthofmcister des Fürsten in Tyrol, fühlte aber je länger, desto
mehr, sich getrieben, in's stille Leben sich zurückzuziehen. Er ent-
sagte endlich ganz dem Weltlcben, verwandelte das Schloß, so zu
sagen, in eine Einsiedelei, und widmcte sich mit heiligem Eifer nur
allein den Werken der Frömmigkeit und der Liebe. Viele Jahre
noch diente Nothburga im herrschaftlichen Schlöffe, herrlich leuchtend
als Vorbild hoher Tugend für die Mit- und Nachwelt. Endlich ward sie
krank. Mit der vollkommensten Ergebung, und mit heißer Sehn-
sucht nach dem himmlischen Vatcrlande, bereitete sie sich zum Tode
vor, welcher am 14. September 1313 ihr frommes und thätiges
Leben endigte. Heinrich beweinte den Verlust seiner frommen Magd,
und die vielen Armen, welche durch sie so oft und so lange mütter-
lich unterstützt wurden, waren untröstlich über den Verlust ihrer
Wohlthäterin; obwohl jener ihre Trauer durch viele und große Al-
m^iVn zu lindern suchte. Unzählige Thränen fioßen bei der Nach-
richt ihres Todes, und tausend Dankgebethe stiegen aus dem Herzen
der Armen für sie, und mit ihr zum Himmel. Nie hatte Noth-
burga der lieben Kapelle in Eben vergessen, wo sie in stiller Ein-
samkeit so oft gebethet hatte. Mit rührendem Entzücken sprach sie
viclmal von dieser geheiligten Stätte; daher ward auch ihr Leich-
nam dahin geführt, und in der Kapelle begraben. Die fromme
Verehrung erklärte die Nothburga für heilig. Das Volk wallfahr-
tet? zahlreich zu ihrem 'Zrabe. Aus den Opfergaben, die es in der
Kapelle niederlegte, entstand eine schöne Kirche, in deren Chor die
vorige Kapelle verwandelt wurde, und Nothburgens Name wurde
derselben beigelegt. Albert, Weihbischof zu Brircn, weihte sie feier-
lich ein, im Jahre 1434. Im Schlosse Rothenburg ward Noth-
burgens Kammer in eine Hauskapelle verwandelt.
Nothburga zeigte sich in Allem als eine wahre Christin, befol-
gcnd die Lehre, und nachfolgend dem Beispiele unsers Herrn Jesu
Christi. Unter ihren vielen und großen Tugenden glänzt am herr-
lichsten die — Liebe, welche sie ihrer harten Gebieterin bewie-
sen hat.
Christlicher Dienstbothe! lerne schweigen, wo du durch Reden
Gott und ,den Nächsten beleidigen könntest; lasse dich lieber aus dem
Dienste jagen, als du Unrecht mit Unrecht vergelten wolltest. Räche
dich nie an deiner Herrschaft! bethe vielmehr für sie, daß Gott ih-
ren Sinn erleuchte, und zum Guten lenke, und wenn du deiner,
dich beleidigenden Herrschaft, etwas Gutes leisten kannst, so thue
es mit Freude! So wirst du sie auf die edelste Art beschämen,
glühende Kohlen über ihrem Haupte sammeln, und Gottes Segen
wird über dich kommen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen