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Am 19. Juni. 57N
IN dem im Jahre 125^l gehaltenen Ordenskapitel vorgen'age», und
daffelbe ihr bewilliget. Sie empfing es in der Kirche der Vertun-
digung Maria aus der Hand des heiligen Philippus Bcnitius mit
einer Andacht, durch welche alle Anwesenden tief gerührt wurden.
Jedes Stück des Ordensgewandes machte sie zu einem Sinnbilde
geistlicher Gegenstände, und dadurch zum Erweckungsmittel heiliger
Betrachtung. Der schwarze Rock deutete ihr die tiefe Traner der
Gottesmutter bei dem Anblicke der qualenvollen Leiden des göttlichen
Sohnes am Kreuze; der lederne Gürtel die durch Geiselstrciche, Dor-
nenkrone, Nagel und Lanze zerfetzte Haut des Erlösers; der weiße
Schleier, die Reinigkeit Mariens; der gcschornc Kranz des Hauptes
die Lobpreisung der seligsten Jungfrau i» dem Gruße des Erzengels;
das Buch die Betrachtung des Leidens Christi; und der Mantel den
Schutz der göttlichen Mutter, dem sie sich durch den Eintritt in den
Orden vorzugsweise übergeben hatte. Diese Sinnbilder gaben ihr
reichliche» Stoff zu den Betrachtungen, denen sie sich während des
Probejahres fast beständig widmete. Nachdem dieses verflossen war,
legte sie feierlich die heiligen Gelübde ab, und sagte sich dadurch
gänzlich los von dem Dienste der Welt.
Weil den Mantellaten noch keine bestimmte Lebensregel vorge-
schrieben war, setzte sie sich, geleitet durch die letzten Ermahnungen
des Philippus, der von Florenz sich entfernte, und bald darauf
starb, und durch die Anweisungen ihres Onkels Alerius,'cine solche
sest, und beobachtete sie sehr strenge, der Zerstreuungen ungeachtet,
die sich fortwährend darboten im Hause ihrer Mutter, in dem sie
wohnte; weil die Schwestern des dritten Ordens nicht in geschlossn
ner Klostergemeinschaft beisammen lebten. Nach dem Tode der Mut-
ter trat sie in engere Genossenschaft mit einigen Schwestern, welche
von ihr sich leiten ließen, und — wider ihren Wunsch — als ihre
Oberin sie verehrten. Weil durch ihr Bemühen, und besonders
durch ihr erbauliches Vorbild, der Orden sich beträchtlich vermehrte,
so ward sie als die eigentliche Stifterin und Vorsteherin desselben
angesehen. Obgleich sie dadurch über die Andern erhoben war, so
fand sie doch kein größeres Vergnügen, als wenn sie Gelegenheit
hatte, ihnen Dienste zu leisten. Durch glühendes und ununterbro-
chenes Gebeth erhielt sie außerordentliche Gnadcnbezeugungen des
Himmels. Mit brennendem Eifer, und mit einer beispiellosen Selbst-
verläugnung opferte sie sich, und AUes, was sie besaß, dem Dienste
der Liebe des Nächsten. Nichts vermochte sie zurückzuhalten, so bald
sie dem Menschen nützlich serm konnte, besonders wenn es sich darum
I>andelte, Feinde auszusöhnen, Sünder ihren Unordnungen zu entrei-
ßen, oder Kranken auf ihrem Schmerzcnlager^Hrost und Linderung
zu bringen. Ihre Strenge in der Bußübung durch Fasten, Wachen
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen