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382 Der heilige Andreas Corsmns, Bischof.
der zurückgekehrt war, wurde er zum Prior scmcs Klosters ernannt.
Er verwaltete mit sorgfältiger Treue sein Amt, ward seinen Mitbrür
dcrn in Allem zum erbaulichen Vorbilde, »nd bewirkte dxrch seine
vielfältigen Predigte» , und seine erhabenen Tugenden so bewunde-
rungswürdige Fiüchtc, daß er für den zweiten ?lpostel des Landes
gehalten wurde.
Im Jahre ^tt<» verlor die, drei Meilen von Florenz entfernte
Stadt Fiesoli, ihren Bischof. Von dem Domkapitel wurde einstim:
mig der Prior Andreas Eorfini zu dessen Nachfolger erwählt. Der
demüthige Ordensmann erzitterte vor der furchtbaren Bürde deß bi:
schöflichen Amtes, und verbarg sich, auf dasi er derselben entkomme.
Man suchte ihn lange vergeblich, »nd schon wollten die Kanoniker
zu einer neuen Wahl schreiten, als Gott durch ein .Kind den Auf-
enthaltsort seines Dieners bekannt werden lief;. Andreas erkannte
den Willen Gottes, dem länger zu widerstreben er sich nicht getraute,
lind empfing die bischöfliche Weihe. Seine Erhebung änderte nichts
an seiner Lebensweise, vielmein verdoppelte er jeht seinen Eifer und
seine Bußstrenge. Dem Gebethe, der geistlichen Betrachtung, und
den Geschäften des heiligen Amtes ward nun alle seine Zeit gewid-
met, sogar ein großer Theil der Nacht, in der er nur wenige Stun-
den auf Reisern von Weinreben seinem Körper die nöthigste Ruhe
gönnte. Jeden Tag bethete er unter strenger Leibebzüel'tigung die
sieden Bußpsalmen, und die Litanei von allen ,heiligen. Sein
Haushalt, so wie scm Gewand, unter den, er einen eisernen Buß^
guncl trug, waren sehr einfach. Nuv wenn es nothwendig war,
redete er mit Weibspersonen, nnd zeigte sich immer fthr abhold den
Schmeichlern und Verleumdern. Seine Liebe zn den Armen, zumal
zu den Hausarmcn, kannte keine Gränzen. Diese suchte er sorgfäl-
tig auf, und unterstützte sie so geheim, als möglich. Eben so er-
>ilü!>r, als segensvol! war der Eifer des heiligen Bischofs zur Ver-
söhnung der entzweiten Gemüther. Er besänftigte die empörenden
Unruhen, die in Ficsoli und Florenz sich erhoben hatten, und stellte
in der Stadt Bologna, wohin ihn der Papst Nrban V, als seinen
Legaten abordnete, um die gegen einander ergrimmten Partheien des
Adels und des Volkes zu versöhnen, den Frieden so vollkommen
her, daß derselbe, so lange er lebte, nicht mehr gestört wurde.
Der heilige Andreas Corsini erkrankte, als er im Jahre 1Z72
in der Nacht des Wcihnachtsfestes das Hochamt hielt, an einem
F,eber, welches von Tag zu Tag deftiger wurde, und alle Hoffnung
seiner Wiederherstellung vernichtete. Mit der vollkommensten Erge:
b»ng, und mit freudiger Sehnsucht nach dem himmlischen Vater-
lande, erwartete er seinen Tod, zu dem er sich durch die heiligen
Sakramente, die er mit glühender Inbrunst empfing, vorbereitete.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen