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584 Die heilige Catkarina von Siena, Jungfrau.
auch sehnlich wünschte, in einen Orden zu treten, dessen vorzügliche
Bestimmung wäre, an dem Heile der Seelen zu arbeiten.
Latyarina hatte kaum das zwölfte Lebensjahr zurückgelegt, als
sich die Eltern schon, in Betreff iln« künftigen Verebelichung, mit
ihr untcrredetcn. Denn der Entschluß, Christo, als ihrem Braut,.-
gam allein anzuhangen, hatte sie ihnen verborgen. Die Mutter
wollte ihre Tochter anleiten, sich zu schmücken, und schön zu putzen,
um einem Jünglinge zu gefallen; dazu war diese aber nicht sogleich
zu bewegen. Auf Anstiften der Mutter versuchte es ihre vcrheira-
thetc Schwester, die ihr vorstellte, sie könne ja, wenn sie auch nicht
heirathcn wolle, aus Gefälligkeit gegen ihre Ellern insoweit nachgc-
ben, daß sie sich ein wenig artiger betrage, und schöner kleide, als
bisher. Catharina ließ sich, aus natürlicher Liebe zur Schwester,
verleiten, gegen ihre Ueberzeugung zu handeln. Sie legte aber bald
den Schmuck wieder ab, und beweinte ihre Untreue in der Folge
oft mit bittern Thränen. Ihre Elter» drangen nun immer heftiger
in sie, und suchten bald durch sanfte Vorstellungen, bald durch
Drohungen und harte Behandlung zum Heirathen sie zu bewegen.
Sie aber erklärte, unverehelicht bleiben zu wollen, und schnitt sich,
zum Beweise, wie ernst ihr Vorsatz sen, selbst die Haare ab. Da:
durch wurden die Eltern und Verwandten gegen sie noch mehr auf-
gebracht. Sie mußte nun eine sehr harte Behandlung ertragen.
Man ließ ihr kcinc Zeit mehr zum Gebethe, und keine Gelegenheit
^n Einsamkeit. Statt der Magd mußte sie die Küchenarbeitm ver-
richten, sich mit den geringsten Diensten des Hauses unablässig be-
schäftigen, und täglich mit Vorwürfen und Schmähungen sich über-
häufen lassen. Sie ward dadurch nicht nnttMos,, sondern nur im-
mer mehr starkmüthiger. Aeußerlich mit den häuslichen Arbeiten be-
schäftiget, blieb sie innerlich stets in Ruhe mit ihrem Heilande ver-
einiget. Wenn sie ihren Eltern und Geschwistern dienen mußte,
stellte sic sich vor, sie habe Christum und ftinc Jünger vor sich, —
die seyen es, denen sie diene. So that sie Alles mit Freude, die
vcn Jedermann bewundert wurde.
Durch diese Standhaftigkeit erlangte sie endlich einen vollkom-
menen Sieg über ihre Eltern und Verwandten, besonders über ih-
ren Vater, 0er gottesfürchtiger und frömmer, als die Andern, war.
Er hatte ihr Thun und Lassen in der Stille genau beobachtet, sie
öfters in einem Winkel bethend gefunden, und aus ihrem ganzen
Betragen endlich erkannt, daß sie von Gottes Geist regiert werde.
Sie selbst wurde durch Stillschweigen und Hoffen immer stärker.
Sie berief Eltern und Geschwister zusammen, wiederholte den unab-
änderlichen Entschluß, sich nicht zu verehelichen, mit der Erklärung,
daß sie, wenn man sie im Hause als Magd behalten wolle, bereit
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen