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Der heilige Johann von Nepomuk, Märtyrer.
(Am Iti. Mm.)
Nepomuk ist cine kleine Stadt in Böhmen, zehn Meilen von
Prag, im Pilsnerkrcise. Nahe dabei, auf dem sogenannten grünen
Berge, steht ein Schloß gleichen Namens, unten am Berge befand
sich ein Cisterzienserkloster, welches im Hussitenkriege zerstört wurde.
In dcm eben genannten Städtchen lebten zwei Eheleute, bürgerlichen
Standes, fromm und rechtschaffen, daher angenehm vor Gott und
den Menschen. Lange blieben sie ohne Kinder. Sie flehten deß-
halb oft zu Gott, und sprachen vertrauensvoll die göttliche Mutter,
deren Bild sie in dcm vorerwähnten Listcrzienserkloster vielfältig be-
suchten , um ihre Fürbitte an. Ihr Gebeth ward endlich erhört.
Sie erhielten einen Sohn, den sie, wic Zacharias und Elisabeth,
d?n Segen ihres Alters, Johannes nannten, und der in der Folge
uon seinem Geburtsorte den Beinamen „von Ncpomuk" erhielt.
Die Freude der Eltern über das Geschenk eines Sohnes, mit dem
s>>,' Gott beglückt hatte, war bald in tiefe Bestürzung verwandelt
durch eine schwere Krankheit, welche dem zarten Kinde drohte. Auch
in diesem, wie in jedem andern Bedrängnisse nahmen sie ihre Zu-
flucht zu Gott, und der heiligsten Mutter, und gelobten, ihren Lieb-
ling zu erziehen in der Furcht des Herrn. Durch plötzliche Gene-
sung ward derselbe zum zweitenmale von Gott ihnen geschenkt.
Frühzeitig offenbarte sich bei Johannes der Beruf zum geistlichen
Stande; denn von erster Jugend an war es seine größte Freude,
den ganzen Vormittag im Hause Gottes zuzubringen, da zu bethen,
und dem Priester bei dem Altare zu dienen. Dieß that er in der
Kirche des nahe gelegenen Cisterzicnserklosters, von deren täglichem
Besuche cr sich selbst durch die unfreundlichste Witterung nicht ab-
halten licß. Wer den frommen Knaben sah, wurde durch dejsen
herzliche Andacht erbaut; und wohl Viele mögen sich an den gleich-
»amigm So!)» dcs Zacharias und der Elisabeth erinnert, und bei
sich selbst gefragt haben: „Was wird wohl aus diesem Kinde
werden?"
Die Eltern erfüllten gerne das Verlangen ihres Sohnes, sich
d>,i Wissenschaften widmen zu dürfen. Johann verlegte sich daher
auf dieselben, zuerst in der Etadt Sanz, dann auf der kurz zuvor
von Harl lV. errichteten Universität zu Prag, mit rastlosem Fleiße
und einem so glänzenden Erfolge, daß er mit der Würde eines
Doktors der Gottesgelehrtheit und der geistlichen Rechte beehrt wurde.
Eben so schnelle und große Fortschritte machte er auch auf dem
Wege der Tugend, sein Herz immer mehr läuternd von dem Welt:
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen