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592 Der heilige Johann von Ncpomuk, Märtyrer.
geringe Versehen, an einem Spieße lebendig zu braten. Nur allein
Johannes wagte es, diesem grausamen Befehle zu widersprechen.
Nachdem seine sanften Vorstellungen fruchtlos geblieben waren, sagte
er herzhaft: „Es ist ungerecht, solcher Ursache wegen emen Diener
so grausam zu behandeln/' Jetzt brach des Königs unterdrückter
Zorn gegen Johannes los. Der Wüthcrich ließ den muthvollen
Prediger der Wahrheit auf der Stelle in ein tiefes Gefängniß wer:
fen, und drei Tage und Nächte ohne Speise in demselben schmach-
ten. Johannes fürchtete nicht den finstern Kerter, und duldete gern
Hunger und Durst für Wahrheit und Recht. Daher wiederholte er
die standhafte Weigerung, als der König durch den Kerrenneister
ihm sagen ließ, er würde auf der Stelle freigelassen, und mit kö-
niglichen Gnaden überhäuft werden, wenn er das Beichtgeheimnis
der Königin offenbare. Noch einmal wollte der König den Weg
schmeichelnder Güte versuchen, ließ deßhalb den Gefangenen freisetzen,
ihm Gnade und Verzeihung alles Gesckedencn ankünden, und auf
den folgenden Tag zur königlichen Tafel ihn einladen. Kaum war
aber die Tafel aufgehoben, als Wenzeslaus sein sündhaftes Begeh:
ren auf ein Neues vorbrachte, bald die glänzendsten Verheißungen
machte, und strenges Stillschweigen versprach, wenn der Diener
Gottes ihm willfahren; balo die fürchterlichsten Qualen androhte,
wenn er auf seiner Weigerung länger bestehen würde. Johannes
erneuerte seine Vorstellungen, wie heilig die Pflicht der Beichtver-
schwiegenheit , wie strafbar die Verletzung derselben, wie frevelhaft
und gotteslästerlich das Ansinnen sey, die Geheimnisse der Beicht zu
erfahren; und erklärte dann mit gewohnter Freimüthigkeit, daß er
bereit sey, alle erlaubten Befehle des Königs zu vollziehen; diesen
aber nicht vollziehen werde, und wenn er auch deßhalb tausendmal
den Tod leiden müßte.
Wenzcslaus, in seiner Hoffnung getäuscht, gerieth in Wuth,
rief den Schergen, den er immer in der Nähe hatte, und in gott:
losem Scherz seinen Gevatter zu nennen pflegte; befahl ihm, den
Johannes in ein noch tieferes Gefängniß zu werfen, auf die Folter
zu legen, und mit brennenden Fackeln zu peinigen. Der heldcnmüthige
Kämpfer hatte wahrend der Qual die Augen zum Himmel gerichtet,
rief die heiligsten Namen Jesus und Maria aus, und duldete wie
ein Lamm. Der König setzte ihn noch einmal frei. Der Erzbischof
und viele Priester entfernten sich von Prag, um der Verfolgung des
Königs, mit der nun alle Geistliche bedroht waren, zu entgehen.
Aber Johannes blieb in Prag, und harrete aus auf der Stelle, die
ihm Gott anvertraut hatte. Nachdem seine Wunden geheilt waren,
that er, als wäre ihm kein Leid geschehen und fuhr fort, dem Volke
das Wort Gottes zu verkündigen. Weil er aber wohl vorsehen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen