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Die heilige Lidwina, Jungfrau.
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Die »eilige Lidwina, die Tochter christlicher (Ollern, welche IN
gemeinem Stande von dcn Früchten iliveo Flcißcc' sich und i !^ Fa.
milie ehrlich nährten, wurde geboren in der kleinen Stadt Schiedam
in Holland, im Jahre 1350. Von Kindheit an offenbarte sich an
ihr eine große Neigung zur Andacht, und insbesondere eine zärtliche
Verehrung zur göttlichen Mutter. Alö kleines Mädchen mußte sic
ihren beiden Brüdern, welche die Schule besuchten, täglich das Frü!,-
stuck dahin bringen. Auf dem Rückwege dcsuchte sie jedesmal ein
Marienbild, vor dem sie den englischen Gruß bethete. Die Mutter
stellte sie einmal über ihr langes Ausbleiben zur Rede, gab sich aber
ganz zufrieden, als sie die Wahre Ursacke desselben erfuhr.
Lidwina wuchs wie die schönste Frühlingsblume heran, ausge-
zeichnet durch herrliche Vorzüge des Geistes, lind durch Wohlgestalt
des Körpers. Deßhalb warfen Viele ihre Augen auf sie, als den
gewünschten Gegenstand ihrer künftigen ehelichen Verbindung. Sie
wurden begünstigt von Lidwinens Vater, der durch eine glänzende
Versorgung der Tochter den Glanz seiner-Familie zu befördern hoffte.
Allein Lidwina, die, obgleich erst 12 Jahre alt, bei sich unabänder-
lich beschlossen hatte, die jungfräuliche Reinigkeit lebenslänglich ;u de,
wahren, erklärte, daß sie nie sich verehelichen werde, und flehte zu
Gott, daß er sie jeder"- Gefahr, welche ihre Unschuld bedrohe, entrei-
ßen wolle. Gott erhörte sie auf eine Weise, welche von alle» An-
dern als ein großes Unglück, von ihr aber als eine große Gnade
angesehen wurde, weil sie die Seele mehr, als den Leib liebte.
Gott ließ geschehen, daß sie auf dem Nse fiel, und nach diesem
Falle vom Bette nicht mehr aufstehen konnte. Sie war noch nicht
lange von einer Krankheit genesen, als sie im Februar des Jahres
1395 mit Bewilligung des Vaters ihre Gespielinnen, welche nach
der Sitte- des Landes durch Schlittschuhlaufen sich crlustigen wollten,
auf das Eis begleitete. Da geschah es, daß eine derselben in ra-
schem Laufe so heftig an sie prellte, daß durch den schweren Fall
auf das Eis eine Rippe in ihrem Leib zerbrochen wurde. Von
diesem Augenblicke an wurde sie schnell von einer so erstaunlichen
Menge von Elend, Uebeln und Schmerzen heimgesucht, daß die Fri-
stung ihres Lebens ein beständiges Wunder war, um so mehr, da
sie eine lange Zeit hindurch weder einige Nahrung zu sich nehmen,
noch durch Schlaf einer erquickenden Ruhe genießen konnte. Die
Eltern verwendeten vieles auf ihre Heilung, aber vergebens, indem
die angewendeten Arzneimittel das Uebel eher zu vergrößern, als zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen