Seite - (000601) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000601) -
Text der Seite - (000601) -
Am 14. April. 599
lindern schienen. Sie konnte beinahe kein Glied am ganzen Leibe
rühren; keinen Bissen einer Speise, keinen Tropfen eines Getränkes
ohne neuen Schmerz zu sich nehmen. Ein bösartiges, sehr eckcU
Haftes Geschwür, welches die Fäulung, und eine Menge von Wür-
mern nach sich zog, konnte ohne Schauder nicht angesehen werden.
Dazu gesellte sich eine Entzündung, die üb« den ganzen Leib sich
verbreitete, und von den Aerzten das Anloniuofcuer genannt wird.
Alle Glicdmassen wurden von demselben bis auf das Gebein ange-
brannt. Ihr Kopf wurde beständig vom schmerzlichen Stechen, ihre
Augen mit Blendung, ihr Mund mit Z.hnschmerzen, ihr Hals mit
Bräune geplagt. Kein Glied war an üirem Körper, welches nicht
von einem besondern Leiden gequält wurde. Dazu kamen noch das
häusige Geblüt, welches ihr aus dem Munde, aus dcr Nase, aus
den Augen und Ohren drang; das unaufhörliche Erbrechen, die
Fäulung dcr inneren Theile des Leibes, das anhaltende Seitenstechen
und ein tägliches Fieber. Dieses erbärmliche Leben, oder vielmehr
dieses immerwährende Sterben erduldete die heilige Jungfrau acht
und dreißig Jahre, meistens in freiwilliger Armuth und Verlassen-
schaft von Menschen, ohne daß sie m dcn letzten dreißig Jahren nur
einmal von dem Krankenbette kommen konnte.
In dcn ersten drci Jahre» sicl eö ihrem Geiste schwer, sich
über die Empfindlichkeit der Natur zu erheben. Ihr Beichtvater,
Johann Pot, gerührt von ihren großen Leiden, rieth ihr, oft das
Leiden Jesu Christi zu betrachten, und versicherte sie, daß sie daraus
großen Nutzen ziehen werde. Sie gehorchte, betrachtete öfters das
Leiden des göttlichen Heilandes, theilte selbes, dcn pricsterlichen Tag-
zeiten gemäß, in sieben Stunden ein, und fand an dieser heiligen
Uebung bald so große Seelenlust, daß sie Tag und Nacht sich da-
mit beschäftigte. Sie fand nun an ihren großen Qualen nur Sü-
ßigkeit und Trost, und war so weit entfernt, ihre Gesundheit zu
erlangen, daß sie Gott vielmehr bat, ihre Leiden noch zu vermeh-
ren, ihr aber auch die Gnade zu verleihen, dieselben mit Geduld zu
ertragen. Deßwegen geschah es auch, daß sie ihren beständigen Lei-
besplagen nicht selten auch noch freiwillige Abtödtungen beifügte;
denn nach ihrem Tode fand man ihren Leib mit Bußgürtcln umge-
ben. Won Gott und seiner Barmherzigkeit sprach sie mit einem
solchen Nachdrucke, daß auch die Unempfindlichsten dadurch gerührt
wurden. Gegen die Armen bewies sie mitleidsvolle Liebe. Sie
kam ihnen nach Kräften zu Hilfe, und vertheilte nach dem Tode
ihrer Eltern den größten Theil der geerbten Güter unter sie. Gott
belohnte die so seltenen Tugenden seiner Dienerin, und offenbarte
die Heiligkeit derselben durch die Gabe der Wunder und vieler Of-
fenbarungen. Die heilige Jungfrau hatte auch schwere innerliche
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen