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Der heilige Laurentius Iustinianus,
e r s t e r P a t r i a r c h v o n V e n e d i g .
(Am 5. September.)
Der heilige Laurcntius, mit dem Beinamen Iustiniani, ein
Sohn des Bernardo Iustiniani, der unter dem venctianischcn Adel
einen ausgezeichneten Rang behauptete, ward geboren zu Venedig
im Jahre 1380. Seine Mutter, eine Querini, wurde frühzeitig
Wittwe, und hatte für mehrere unerzogene Kinder zu sorgen. Ob-
gleich noch jung, faßte sie den Entschluß, sich nicht mehr zu verehe-
lichen. Aus allen Kräften strebte sie nach höherer Vollkommenheit,
lag vielfaltig dem Gebethe ob; fastete strenge; übte Werke jeder
gottgefälligen Tugend, und ließ sich mehr, als alles Andere am Her
zcn liegen, die Erziehung der Kinder. Laurcntius bewies frühe eine
seltene Gelehrigkeit, und eine außerordentliche Scelengrößc. Ver-
schmähend die zeitraubenden und lärmenden Spiele seiner Altersge-
nossen, beschäftigte er sich gerne mit ernsten Dingen, und liebte den
Umgang mit vernünftigen Männern Seine Mutter tadelte ihn bis-
weilen , um ihn in der Demuth zu erhalten. Ohne Widerspruch
hörte er den Tadel, und antwortete jedesmal, daß er sich bemühen
wolle, es besser zu machen, und nichts so sehr wünsche, als die Heilig-
keit zu erringen.
Neunzehn Jahre alt, fühlte er sich berufen, auf eine besondere
Weise dem Dienste Gottes sich zu widmen, und zu diesem Zwecke
in den geistlichen Stand zu treten. Bevor er jedoch einen festen
Entschluß faßte, trug er dieses Anliegen seines Herzens Gott im
Gebethe vor, und erholte dann den Rath seines Oheims, Marin
O.uirius, eines frommen und gelehrten Priesters, aus der Congrega-
tion des heiligen Georg, deren Kloster auf der kleinen Insel Alga,
eine Meile von Venedig, lag. Da Marin bemerkte, daß Laurentius
eine große Neigung zum klösterlichen Leben habe, ricth er ihm, zu-
erst seine Kräfte durch allmählige Angewöhnung strenger Bußübungen
zu prüfen. Der Jüngling gehorchte. Als er eines Tagcs über die
Ehren, die Reichthümer und die Vergnügungen der Welt, und an-
dererseits über das Harte und Mühevolle der Armuth, des Fastens,
der Nachtwachen und der Selbstverlä'ugnung nachdachte, sprach er zu
sich selbst: „Meine Seele! hast du wohl Muth genug, diese Freu-
dengcnüsse zu verachten, und ununterbrochen auf den Wegen der
Buße und der Abtö'dtung voranzuschreiten." Dann einige Augen-
blicke sinnend, warf er seine Augen auf ein Bild des Gekreuzigten,
und fuhr fort in seinem Selbstgespräche: „Du bist meine Hoffnung,
o mein Gott! In dir ist aller Trost und alle Kraft." Von die-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen