Seite - (000606) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000606) -
Text der Seite - (000606) -
«04 Der heilige Laurentius Iustinianus :c.
brachte er am Fuße des Altares im Gebethe zu. Das Nämliche
that er auch in der Nacht vor Empfang der bischöflichen Weihe,
um die Gnade des Himmels für sich zu erflehen. Er war, wie
selbst ein Nichtkatholik bezeugt, ein bewunderungswürdiger Mann
durch seine aufrichtige Frömmigkeit gegen Gott, durch seinen glühen-
den Eifer für die Ehre Gottes, und durch scine außerordentliche
Liebe gegen die Armen. Er unterließ nichts von seiner im Kloster
bisher geübten Bußstrengc. Sein beharrliches Gebeth erwarb ihm
jene himmlische Erleuchtung und jcne unüberwindliche Festigkeit, de-
ren Gepräge sein ganzer Lebenswandel an sich trug. Unermüdcl
suchte er überalt Einigkeit und Eintracht herzustellen, ausbrcchendc
Mißhelligkcitcn beizulegen, die erbitterten Gemüther zu besänftigen,
und die getrennten Familien auszusöhnen. Die innere Einrichtung
seines Hauses war sehr einfach, und da man ihm vorstellte: er sey
seiner Geburt und seiner Würde einigen Glanz schuldig, antwortctc
er: die Tugend allein sey der Schmuck dcs bischöflichen Amtes, und
ein Oberhirt dürfe keine andere Familie haben, als die Armcn sci-
nes Sprengels. Seine ganze Hausgcnossenschaft bcstand aus fünf
Personen. Er speiste auf irdenem Geschirre. Scinc Liegerstätte
war ein ärmlich bedeckter Strohsack, und sein Kleid ein gemeiner
Talar. Durch die Strenge mit sich selbst, verbunden mit freund!,-
cher Leutseligkeit und Milde gegen Andere, erwarb er sich die allge-
meine Verehrung, und einen solchen Einfluß auf die Herzen, daß es
ihm leicht war, verschiedene Mißbrauche abzustellen, sowohl bei dcr
Geistlichkeit, als bei dem Volke. Wenn manchmal die Ausführung
seiner frommen Unternehmungen Anfangs Schwierigkeiten fand, so
wußte er sie durch Sanftmuth und Gcduld zu besiegen. Sein Ei-
fer gegen die Schauspiele zog ihm einige Feinde zu, die ihn läster-
ten und der Heuchelei beschuldigten; er aber schwieg, und duldete
nach dem Vorbilde seines göttlichen Meisters.
Papst Nikolaus V., welcher, wie sein Vorgänger Eugen, dem
heiligen Laurcntius vertrauensvolle Verehrung bewies, suchte wcrk-
thätige Proben seiner Wohlgcwogenheit ihm zu geben. Dazu bot
eine erwünschte Gelegenheit der im Jahre 1451 erfolgte Tod des
Patriarchen von Grado, Dominikus Michelli. Er übertrug die
Patriarchenwürde auf den bischöflichen Stuhl zu Venedig, um den
allgemein verehrten Bischof Lauientius mit derselben zu zieren. Die-
scr, nachdem er vergeblich eine lange Zeit widerstrebt hatte, sah sich
als einen Diener Jesu an, auf dem wieder eine neue Pflicht laste,
mit allem Eifer an dem Wachsthume des Reiches Gottes, und an
der Heiligung der ihm anvertrauten Seelen zu arbeiten. An ihm
zeigte sich, was heiliger Eifer in hohen Aemtern vermöge. Lauren-
tius war vier und siebcnzig Jahre alt, als er von einem heftigen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen