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Am 7. Oktober. L«9
herrschten, und der Festung alle Zufuhr auf dem Strome abschnei-
den wollten. Dagegen stellte der tapfere Huniades auch einige
Schiffe auf, griff auf Capistrans ermunternde Zuspräche uno Ver-
tröstung des gewissen göttlichen Beistandes die Feinde an, brachte
sie nach langem und hartem Gefechte in die Flucht, schoß eine ziem-
liche Anzahl Schiffe in den Grund, nahm andere hinweg, und
machte mehrere unbrauchbar, so daß der Feind die Zufuhr offen zu
laffl'n gezwungen wurde. Dieß war der Christen erster Sieg, der
unscnn Johannes große Mühe und Arbeit gekostet hat.
Huniadcs starb den 10. September an den Folgen dieses be-
schwerlichen Feldzuges, nachdem er vorher die heilige Wegzehrung
in der Kirche empfangen hatte; denn er sagte, er verdiene nicht,
daß der König der Könige in sein Haus komme. Johann von Ca-
pistran, obgleich anch schon sehr krank, hatte ihm allen Beistand ge-
leistet, und hielt die Leichenrede. Die ganze Christenheit war in
tiefster Trauer über den Tod des tapfern Helden. Johann von Ca-
pistran ward nun auch mit jedem Tage schwächer; hörte aber doch
nicht auf, Sorge für das allgemeine Beste zu tragen. Eben so
wenig ließ er in den geistlichen Uebungen nach. Täglich verrichtete
er das heilige Meßopfer; wenn es aber die Schwachheit nicht ge-
stattete, ließ er sich in die Kirche tragen, wo er nicht nur die Messe
eines andern Priesters anhörte, sondern immer auch das heilige
Abendmahl empfing. Während der ganzen Dauer seiner Krankheit
unterließ er nie die priesterlichen Tagzeiten. Ladislaus, der König
des Landes, besuchte den Kranken zweimal. Das Erstemal hatte
dieser alle Kräfte gesammelt, ihm entgegen zu gehen; das Zweite-
mal aber war es ihm nicht mehr möglich. Er mußte in seiner
Zelle ihn empfangen. Väterlich ermähnte, und demüthig bat er den
Ladislaus, den König des Landes, daß er die Beschützung des wah-
ren Glaubens sich stets empfohlen seyn lasse, und ein christliches
Leben führe. Die Worte des Heiligen drangen tief in das Herz
des Königs und seiues Gefolges. Tröstend sprach Johannes Allen
Muth ein. Sie aber vermochten nicht, ihre Thränen zu verbergen.
Sie küßten seine Hand, und klagten: „Wie wird es uns nach die-
ses Mannes Tod ergehend Mehr verlieren wir an ihm, als wenn
eine große Armee für uns verloren wäre." Der König und der
päpstliche Legat befahlen ihren Leibärzten, Alles anzuwenden, den
geliebten Kranken zu retten. Freudigen Muthes sagte aber dieser
zu den Aerzten: .,Machen Sie mit mir, was Sie wollen; befehlen
Sie, was Ihnen beliebt, ich will nach Möglichkeit gehorchen; doch
bleibt es dabei, die gegenwärtige Krankheit ist meine letzte." Viele
Menschen kamen zu dem Kranken, in ihren Anliegen Rath und Trost
zu suchen, und seiner Fürbitte bei Gott sich zu empfehlen. Mehrere
Zweiter Va»d. 39
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen