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6l4 Der selige Amadeus, Herzog von Savoyen.
Mehr m>5 ehrerbietigem Gehorsam gegen seinen Vater, als aus ei-
gener sinnlicher Neigung trat er in de,i Ehestand. Sein edles Herz
und sein sanftes Betragen verschaffte» ihm die aufrichtigste Liebe
der Gemahlin, die ihn eden so zärtlich entgegen liebte. Der Vater
machte ihn zum Statthalter in den Provinzen Piemont und Bressc.
In diesem wichtigen Berufe erwarb er sich großen Ruhm. Allem
gerade dieser war es, der den Neid in dem Herzen seines Bruders
entflammte. Philipp, so hiest der Bruder, ergriff die Waffen gegen
Ämadcus, wurde aber bald besiegt, und auf Vemnlassung seines
Vaters von Frankreichs Könige in einer Festung gefangen gehalten.
Seine Gefangenschaft dauerte bis zum Tode des Vaters. Daran
hatte aber Amadeus, der nie aufhörte, seine» Bruder zärtlich zu
lieben, so wenig Antheil, daß er, sobald jener erfolgt war, sich sehr
eifrig bemühte, dessen Freiheit zu bewirken. Sein Bemühen hatte
den gewünschten Erfolg, und er brachte nun auch zwischen seinem
Bruder und der Margarita, einer Tochter des Herzogs von Bour-
bon, eine Hcirath zu Stande, durch welche die mit dem Könige von
Frankreich bewirkte Aussöhnung Philipps befestiget wurde. Nicht
lange hernach lief; Philipp von seiner Herrschbegicrde sich verleiten,
neue Anschläge gegen Amadeus zu machen, um die Regierung Sa-
voyens an sich zu reißen. Auch dicßmal bewies Amadcus seine ver-
söhnende Liebe, indem er die Gewalt der Waffen zur Bekämpfung
seines Bruders verschmähte, und nur auf dem Wege gütlicher Ver-
mittlung denselben von seinem frevelhaften Beginnen zurückbrachte.
— Wie gegen seinen Bruder, bezeigte er sich gegen alle Andere,
von denen er beleidiget ward, in hohem Grade versöhnlich. Er
schützte zwar seine Rechte, und setzte sich jedem Angriffe muthig ent-
gegen; zog aber immer sanfte Vorstellungen, liebevolle Vermittlung
und sanfte Schonung dem blutigen Kr>ege vor, und war fortwäh-
rend sehr eifrig bemüht, mit den benachbarten Fürsten gutes Ein-
Verständniß zu erhalten, auf daß seinen Unterthanen, die er, wie ein
Vater, liebte, der goldene Friede gesichert sey.
Unter Amadeus schönen Tugenden leuchtete dessen mitleidsvolle
Liebe und Wohlthätigkeit gegen die Armen vorzugsweise hervor.
Er verschaffte ihnen Nahrung und Kleidung, und theilte reichliche
Geschenke an sie aus. Sehr oft ließ er die Speisen von seiner c,:
genen Tafel ihnen reichen, und nicht selten bediente er sie in eigener
Person, nicht scheuend die eckelhaftesten Anblicke von Gebrechen.
Gerne unterhielt er sich mit den Unglücklichen, denen er immer ein
liebevoller Tröster war. Als ihm bemerkt wurde, daß er durch diese
Gemeinschaft mit geringen Menschen sich zu sehr erniedrige, antwor-
tete er: „Laßt mich! Wollet mich nicht um ein Verdienst bringen,
mit welchem ich mich durch solche Werke, nach der Versicherung des
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen