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620 Der selige Andreas und der heilige Simon :c.
ren. In eine», der nächst gelegenen Gassen erblickte er den kleinen
Simon , der allein vor der Thüre seines elterlichen Hauses war.
Er lockte ihn durch Schmeicheleien an sich, und si'chrtc ihn fort in
da^> Haus des Samuelü. Alb die Eltern des Knaben, Andreas und
Maria, !>>cr vom ^elde, und diese au-.' der M^'ttc, nach Hause ka.
m»'!>, vermißte» sie albbald den tleineü L>edl>»g, suchten ihn allen,
tlialden, und geriechen in nanienlosen Jammer, als sie ihn nirgends
fanden. Angstvoll wällen sie sich auf ihrem Lager, in banger Er-
wartung des nächsten Tages, an dcm sie ihre ^lachforschungen m,t
dcssercm Erfolge fortzusetzen hofften. Allein gerade jetzt ward der
Knabe von den blutgierigen Juden gemordet. Sie versammelten
sich gegen Mitternacht in einem an die Synagoge stoßenden Zim-
mer , entkleideten den kleinen Simon, den sie durch Schmeicheleien
und Geschenke dis daher ruhig erhalten hatten, verstopften dessen
Mund, machten mehrere Schnitte in den zarten Leib, und faßten
das Blut , welches von allen Seiten hcrabrann, in Becken auf.
Einige hielten seine Füße, Andere smu> Arme, die sie kreuzweis, zum
Spotte des gekreuzigten Heilandes, über einander legten. Sodann
stellten sie ihn gerade auf seine Füße, obgleich cr schon bereits ohne
Lebenszeichen war. Zivci Ungeheuer ocl' gottlosen Rotte hielten ihn
aufrecht, wahrend Andere mit scharf gcspiytcn Ahlen und Pfriemen
die verschiedenen Theile seines Körpers durchstachen, um ja gewiß
den letzten Tropfen Blutes zu erhalten. Als endlich der schreckliche
Mord Vollender war, sollen die Mörder um die Leiche hcrumgesprun-
gen seyn, und in wildem Gesänge gesprochen haben: „So haben
wir's mit Jesus, dem (^hristcn^t gemacht, möchten alle unsere
Fcindc also auf ewig zu Schanden werden."
Am andern Tage wurdc von den trostlosen Eltern, von der
Obrigkeit, und von vielen Bürgern der Stadt die Nachforschungen
um den vermißten Knaben fortgesetzt. AIs sie fruchtlos blieben, fiel
der Verdacht des Raubes auf die Juden. Diese verbargen deßhalb
die Lciche im Keller unter einem Weinfaffe, und warfen sie nach
zwei Tagen in einen Bach. Da ward sie gesunden, und Gott wollte,
daß eiu so gräulicher Frevel nicht entdeckt bleibe. Die Verbrecher
wurden ihrer That überführt, und zum Tode verurtheilt. Die Ju-
den der benachbarten Gegenden wendeten Alles an, die Verurthcil-
ten der Schmach der Hinrichtung zu entziehen; aber ohne Erfolg.
Das AnclbiVten ungeheurer Geldsummen wurde mit Unwillen abge-
wiesen , und das Urtheil an den Mördern vollzogen. Sie wurden
gerädert und verbrannt.
Man riß die Synagoge nieder, und führte eine Kapelle auf,
an dcm Platze, wo daS Kind gemartert worden war. Gott ver-
herrlichte durch Wunder das unschuldige Opfer, wcßwcgcn der Name
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen