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Am 12. Juni. 623
Das Prcdigtamt, welches ihm die Oberen seines vorzüglichen Ta-
lentes wegen übertrugen, verwaltete er auch hier mit einem außer:
ordentlichen Eifer. Er verkündigte das Wort Gottes mit einem
Nachdruck und mit einer Salbung, daß auf die herrlichste Weise
offenbar wurde, wie sehr sein Geist von dem reinsten Lichte des
Glaubens erleuchtet, und sein Hcrz von den göttlichen Wahrheiten
durchdrungen sey. Seine Predigten und die Belehrungen, die er
bei jedem schicklichen Anlasse ertheilte, brachten ungewöhnliche Früchte
hervor, zumal sehr viele Versöhnungen zwischen solchen, die lange
schon in bitterem Grolle, oder in offenbarer Feindschaft mit einander
gelebt hatten. Mehrcremalc verhütete er die Ausbrüche wilder Rache,
und unmenschliches Blutvergießen. Zwei der vornehmsten Familien
zu Ealamanca, die Familie Monroj und die Familie Manza, hat-
ten sich schon seit vielen Jahren auf die, grausamste Weise verfolgt.
Die andern Adeligen der Stadt und das Volk nahmen Theil an
der fürchterlichen Erbitterung. Ein schauerlicher Bürgerkampf schien
unvermeidlich; denn schon getraute man sich nicht mehr unbewaffnet
durch die Stadt zu gehen. Dem von heiligen Eifer durchglühten
Johannes gelang es, den Ausbruch zu verhindern, die Gemüther
zu beruhig n, und die ganzliche Aussöhnung der entzweiten Familien
und ihrer beiderseitigen Anhänger zu bewirken.
Johannes verwaltete einige Zeit das Amt eines Novizenmei-
sters , und wurde dann von seinen Mitbrüdern zum Prior seines
Klosters erwählt. Unter ihm stand das geistige Leben und die Zucht
des Klosters im schönsten Flor, dazu trug sein eigenes Vorbild weit
mehr, als Vorschriften und Befehle bei. Seine Brüder hingen mit
Liebe und Verehrung an ihm, und seine Wünsche waren ihm deß-
halb mehr, als die strengsten Befehle. Der Ruf der Heiligkeit und
der uubegränzten Liebe führten dem frommen Manne sehr viele Men-
schen zu, welche ihre Gewissensangelegcnhcitcn theils im Bußgerichte,
theils außer demselben ihm anvertrauten. In der Behandlung der-
selben zeigte es sich, daß von Gott ihm die Gabe einer besondern
Klugheit und der Unterscheidung der Geister verliehen sen. Dieser
Gaben machte er sich empfänglich durch seine Andachtsglut, die zu-
mal bei der Entrichtung des hochheiligen Opfers sich offenbarte.
Dein Laster wicderstrebte er mit festem Muthe, ohne Rücksicht auf
Ansehen und Stand der Personen; denn er hatte nur die Ehre Got-
tes und das Heil der Seelen, — nie etwas Anderes, — im Auge.
Seine Freimüthigkeit stiftete vielen Segen, zog ihm aber auch viele
Verfolgungen zu. Einmal wurde er nach Alba (nn spanischen Kö-
nigreiche Leon) zum Predigen berufen. Freimüthig äußerte er sich
da gegen den ungerechten Druck, welchen der Herzog Garzia gegen
seine Unterthauen ausübte. Dieser ward hierüber sehr erbittert, ries
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen