Seite - (000627) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
Bild der Seite - (000627) -
Text der Seite - (000627) -
Am 14. August. 625
von den Türken erduldet hat. Die Kirche hat zwar diese muthvol-
len Kampfer nicht förmlich in die Zahl der heiligen Märtyrer auf:
genommen, aber doch ihre Heiligkeit dadurch anerkannt, daß sie die
öffentliche und feierliche Verehrung derselben gestattete.
Der türkische Sultan Muhamed ! l . unternahm im Jahre 148l1
einen Kriegszug nach Italien. Er war vorzugsweise feindselig ge-
sinnt gegen Ferdinand, den König von Neapel, weil er den Christen
gegen die Türken mehrmal kräftigen Beistand geleistet hatte, und
wollte deßhalb seines Reiches sich bemächtigen, und seiner Krone ihn
berauben. In wieferne auch sein Christenhaß an dem feindlichen
Unternehmen Antheil gehabt habe, läßt sich nicht bestimmen. Ganz
unvcrmuthet erschien am 28. Juli des ebcngcnannten Jahres eine
türkische, mit l8UW ausgesuchten Soldaten bemannte Flotte, unter
Anführung des Pascha Achmed bei der Stadt Otranto, die alsbald
eingeschlossen wurde. Der Anführer ließ durch einen Abgeordneten
die Bürger auffordern, die Stadt freiwillig zu übergeben, oder die-
selbe zu verlassen, was er geschehen lassen wolle, und diese Auffor-
derung mit der Vorstellung begleiten, daß es thöricht sey, mit so
schwachen Kräften seiner großen Macht sich widersetzen zu wollen.
Diese Vorstellung hatte freilich großes Gewicht; denn Otranto war
schlecht befestiget; denn in derselben befanden sich kaum Tausend
wehrhafte Männer, und auf die Hilfe der königlichen Truppen konnte so
schnell, als es nothwendig war, nicht gerechnet .erden. Deßunge-
achtet entschlossen sich die tapfern Bürger zum Widerstände, bereit
für Glauben, Vaterland und König ihr Leben zu opfern. Diesen
Entschluß eröffneten sie dem Abgeordneten mit dem Bedeuten, daß
er nicht wieder kommen solle. Einen zweiten Abgeordneten sollen
sie mit Pfeilen empfangen, und getödtet haben. Der durch die ab-
schlägige Antwort erbitterte Pascha fing sogleich die Belagerung an.
Die Bürger der Stadt setzten den hcldenmüthigsten Widerstand ent-
gegen. Allein nach drei Tagen schon stürzten die schwachen Stadt-
mauern an mehreren Orten zusammen; deßungeachtct setzten die
christlichen Helden den Kampf so lange fort, bis bereits alle gefal-
len oder verwundet waren. Erst am 11. August ward die unglück-
liche Stadt erobert von den Barbaren, die in der ersten Wuth Al-
les , was unter ihr Schwert kam, niedermachten. Die Nacht vor
diesem schaudervollcn Tage brachten der Erzbischof Stephan, ein
frommer achtzigjähriger Greis, seine Geistlichkeit und sehr viel Volk
in der Kalhedralkirche zu. Am Morgen, als der letzte fürchterliche
Kampf begann, entrichtete Stephan das hochheilige Opfer, und er-
theilte nach Vollendung desselben den Anwesenden seinen Segen, mit
der väterlichen Ermahnung, daß sie fest stehen sollen im heiligen
Glauben, bereit aus Liebe zu Jesus Christus ihr Leben zu opfern.
Zweiler Band. 40
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen