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632 Der selige Nikolaus von der Flue, Einsiedler.
Mann. Es datte sied in d>^ daftge Fraucnkloster ein Trupp fiie:
hender Oestrcichcr verschanzt. Um dcn Fcind herauszutreiben, leg.-
tcn die Sieger Feuer an das Kloster. Das drang dem frommen
Kriegsmann Nikolaus tief zu Herzen. Vor dem Bilde des Ge-
kreuzigten erflehte er sich zuerst Hilfe, dai>n tral er mit männlichem
Ernste vor die Häuptlinge, und machte ihnen die dringendsten Ge-
genvorstellungen. Bei den Worten ließ er es nicht bewenden, so»
dcrn löschte das Feuer, riß den Hartnäckigsten die Fackeln aus der
Hand, beruhigte durch seine Klugheit und Standhaftigkeit die sieg:
durstenden Soldten, und das Kloster ward gereuet, (5s wurde ihm
nachher zum Denrmal dieser edlen Tapfcrccit eine goldene Schau:
münze geschenkt. Auch im Felde widmete er alle mußigen Stunden
den Uebungen der Religion. Während die Soldaten sich mit Spie.-
len und Trinken belustigten, oft sich in d,e wildeste» Ausschweifung
gen verirrten, lag er, den Rosenkranz in der Hand, dem Gebethe
ob. Als seine Eltern und Freunde in ihn drangen, daß er sich ver-
ehelichen möchte, verläugnete er auch hierin seine Neigung, und nach
langer Prüfung und ernsten Gebethen heirathctc cr eine brave, wohl:
erzogene Jungfrau, Dorothea Wißling, aus einen, alten, angesehe-
nen Geschlechte von Saxeln. Mit dieser, aus Gottes H^ 'd genom-
menen Gefährtin seines Lebens führte cr die heiligste Ehe. Doro-
thea fand in ihm nicht bloß einen friedliebenden, treuen, sorgfältigen
Ehegatten, sondern den innigsten Freund, den erfahrensten Fülirer
ihrer Seele, und das anziehendste Musterbild auf dem Wege des
Heils. Zehn Kinder waren der Segen dieser Ehe. Die vortreffliche
Bildung derselben war der herrlichste Beweis ihrer guten Erziehung,
die gegründet wurde auf die Furcht des Herrn. Die Söhne beklei-
deten in der Folge die ersten Stellen des Landes, welche nur ver-
ständigen und rechtschaffenen Männern anvertraut wurden.
Nikolaus besorgte mit Fleiß und Eifer die Geschäfte seines
Hauses. In aller Frühe war cr wach, und der Erste auf; er ar:
vcitctc mit seinen Söhnen und Töchtern auf dem Felde, Heu sann
mclud, oder aufwachsendes Unkraut ausrcutend, oder was sonst die
Zeit für Arbeit forderte. Den Anfang und das Ende von Allem
machte das Gebeth. Sein Sohn Johann, der in der Folge Land:
ammann ward, bezeugte: „Mein Vater ist immer mit den Kindern
schlafen gegangen; aber alle Nachte habe ich ihn aufstehen, und in
der Stube bis am Morgen bethen gehört. Wenn cr mit Andern,
oder für sich mündlich bethete, wiederholte cr zum Theile das Na-
tcr unser, und den englischen Gruß, mit Beifügung der Geheimnisse
des Herrn; zum Theile sprach er langsam und mit dem Ausdrucke
der Inbrunst derlei Worte: .,O mein Gott und mein Herr! nimm
Alles von mir, was mich abwendet von Dir. — O, mein Gott
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen