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Am 22. März. 633
und mein Herr! gib Alles mir, was mich fördert zu Dir. — O,
mein Gott und mem Herr! nimm mich mir, und gib mich ganz zu
eigen Dir." —
Die bewährte Rechtschaffenheit erwarb dem Nikolaus das Zu-
trauen aller Mitbürger, Er wurde daher, ungeachtet seines ernstli-
chen Widerstrcbens, zum Landrathc und Richter gewählt. Sogar
die oberste Stelle des Landes wollte man ihm aufdringen; abe: des:
sen weigerte er sich mit dcr größten Standhaftigkeit, ja mit einer
heiligen Gewalt. Als Richter und Landrath diente er seinem Va-
terlande neunzehn volle Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit. Er
war gutdenkend und freimüthig im Rathe, gerecht im Gerichte, land-
haft für alles Gute, ein wahrer Landcsvater, und der Wittwe» und
Waisen besonderer Freund und Beschützer. Sein Haus stand jenen
immer offen, welche Streitigkeiten gütlich beizulegen wünschten, und
ihn zum Schiedsrichter wählten. Dieß geschah oft mit glückichem
Erfolge und größter Unparteilichkeit. So groß und fruchtba.- sein
Wirkungskreis zur Wohlfahrt des Landes war, so wurde ihn auf
einmal alle Neigung, alle Hcrzensruhe, die zu solchen Geschäften
doch nöthig ist, entrissen. Eine Begebenheit, welche schrccklch zu
vernehmen, steigerte seinen Abscheu vor allen Ehren- und Amtsver-
waltungen aufs Höchste. Es kam auf der Rathsstube ein Streit-
handel vor. Die Parteien waren hitzig; jcdc suchte ihr Reät mit
Heftigkeit durchzusetzen. Man schritt zur Sammlung dcr Steine.
Da erblickte Nikolaus, daß einigen Richtern, als sie den Auispruch
thaten, Schwcfclsiammcn aus dem Mundc hervorbrachen. Eitsetzcn
erschütterte seine zarte Seele. Es machte einen unauslöschlich n Ein-
druck auf ihn, und bcwog ihn zu dcm unerschütterlichen Entchluffe,
seine Stelle niederzulegen. Er hatte auch durch Gottes Hi l f , wie
er sagt, und viele Anstrengung seiner Seits endlich ausgewirlt, daß
man ihn, zum größten Bedauern aller Gemeinden, seiner llemtcr
entlasten. Doch war Gottes Finger darin sichtbar bei diesan Er-
eignisse. Schon lange war es sein einziger Wunsch, Gott aif eine
vollkommene Weise anzugehören, und Christo mit ungcthciltc' Liebe
nachzufolgen. Er fühlte sich nicht mehr daheim. Ein wunderbares
Heimweh hatte ihn ergriffen. Er reifte einer neuen ungewöhnlichen
Laufbahn des Lebens entgegen, und die göttliche Vorsehung, deren
liebes Pflegkind er war, führte ihn allmählig darauf. Seit ?iniger
Zeit trugen sich ganz seltsame Dinge mit ihm zu, welche sein from-
mes Gemüth zu dem höchsten Verlangen nach Gott, nach inniger
Vereinigung mit ihm erhoben, und sein Herz mit der zarteste« Liebe
und mit großer Inbrunst crfülltcn. Vier außerordentliche Gesichte
erfüllten sein Herz mit der Sehnsucht nach einem stillen, vol allen
Geschäften dcr Welt freien Leben, und nach ungestörtem Ungange
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen