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Am 22. Mär;. 635
lande hatte cr rühmlich gedicitt, und ward ihm in der Einöde zu
„och größerm Scgen. Bon seinen Kindern waren dic meisten schon
erzogen, und das Wichtigste dcr Erziehung war in alle gelegt. Das
Uebrige versprach die treue Mutter Alles zu leisten, und leistete es
wirklich auf die vollkommenste Weise. Nun ordnete cr mit väterli-
cher Sorgfalt dic Angelegenheiten des .Hauses, und verabschiedete
sich bald darauf von den Seinigcn, von seiner geliebten Gat-
tin, seinen thcurcn Hindern, seinem noch lebenden alten Vater, sei-
nen Hausgenossen und Befreundeten, und zog aus, wie einst Abra-
ham , aus seines Vaters Hause und seiner Verwandtschaft. Den
schmerzlich Weinenden gab er, Trost zusprechend, den väterlichen
Segen.
Er ging, folgend dein Zuge des göttlichen Geistes. Wohin?
wußte cr selbst noch nicht; aber sein gläubiger Sinn fürchtete nichts,
und ahnete nur Gutes. Es war im Jahre 1467 an einem Tage
des Herbstmonats, als cr fünfzig und ein halbes Jahr alt, mit
bloßem Haupte und bloßen Füßen dic Ncise antrat. Ein langer
brauner Rock war seine Hleidung, und außer einem Stocke und ei-
nem Rosenkranze trug er sonst nichts bei sich. Doch die Liebe Got-
tes hatte cr in seinem Herzen. Seine Absicht war, sein Vaterland
zu verlassen. Er kam bis gen Lichstall, einem Orte im Canton
Basel, der damals noch nicht zur Schweiz gehörte. Einem from-
men Bauersmann 'ntdeckte cr sein ganzes Vorhaben mit inständiger
Bitte, cr möchte ihm einen schicklichen Ort zeigen, wo cr unbekannt
und einsam dem Herrn dienen könnte. Der Bauer lobte seinen
frommen Sinn, sagte aber, daß er das eben so gut in seinem Va-
tcrlandc thun könne, und rieth ihm, geradezu in seine Hcimath zu-
rückzukehren. "Nikolaus dankte, und nahm, entschlossen diesem Rathe
zu folgm, Abschied noch in derselben Nacht, die er unter freiem
Himmel zubrachte, bis cr vom Schlafe überfallen wurde. Als cr
aufwachte, sah er sich gahling von einem hellen himmlischen Glänze
umgeben. Es durchdrang ihn, wie ein Blitz, und verursachte in
seinem Inwendigen einen Schmerzen, als wenn ein Messer im Leibe
herumfahre. Von diesem Augenblicke an empfand cr bis zu seinem
Tode weder Hunger noch Durst. Auch kam ihm vor, als ziehe ihn
ein Seil, das vom Himmel hcrabreiche, unwiderstehlich heim. Er
besann sich nicht lange, und trat den Rückweg an. In der Dun:
kelhcit der Nacht erreichte cr wicder Sareln, schlich unbemerkt bei
dem Hause der Eeinigen vorüber, bis in das Melchthal, von wo
cr eine ihm gehörige Alpe erstieg, welche die Klüster genannt wird.
Bei einem großen Lerchenbaume, der sich über ein dichtes Dorngc-
sträuch ausbreitete, wählte cr sich für jetzt den Aufenthalt. Nach
acht Tagen wurde er von Jägern entdeckt. Sie sahen ihn, auf
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen