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Am 22. März. 637
und befahl ihm, davon zu genießen. Zitternd gehorchte Nikolaus,
genoß unter dem heftigsten Widerstände seiner Natur ein sehr klei-
nes Stücklein vom Brode, und einige Tropfen vom Weine; bekam
aber bald einen so heftigen Magenkrampf, daß man für sein Leben
besorgt war. Wer immer noch wegen seinem Fasten zu zweifeln
geneigt war, wurde nun ganz überzeugt.
Nur ein Jahr wohnte Nikolaus in seiner selbst gemachten Laub-
hütte; denn von öffentlicher Landesgemeinde wurde beschlossen, ihm
an eben dem Ortc eine dauerhafte Klause mit einer Kapelle zu er-
bauen , welche bald von dem vorgenannten Weihbischofe geweiht,
und nachher mit reichlichen Schankungen begabt wurde, durch welche
Nikolaus eine bleibende Pfründe für einen Priester stiftete. Niko-
laus zog ein in die neue Behausung; allein mit der Wohnung än-
derte er nichts an seiner Lebensweise. Der Abt von Sponheim
meldet: „Er wachte mit großer Andacht viele Stunden; er be-
thete ohne Aufhören mit Thränen und Andacht zu Gott." Bis
Mittag verließ er gewöhnlich seine Zelle nicht; dann aber ging er
ins Freie, wandelte bethend im Thalc herum, oder begab sich auf
die nahe Anhöhe, um den frommen Ulrich zu besuchen, der sich eben-
falls dem Einsiedlerleben widmete, auch bisweilen auf den Römer-
berg, wo er in der Muttergotteskapellc der seligsten Jungfrau, welche
er mit kindlichem Zutrauen immer vor Augen hatte, Verehrung und
Dank darbrachte. Jährlich einmal erschien er zu Luzern bei einer
feierlichen Prozession, die Romfahrt genannt. Außerdem war er
stets in seiner Zelle, wo er sehr häufig von Menschen aus der Nähe
u»o von der Ferne besucht wurde. Ein Schauer überlief sie beim
ersten Anschauen; denn ein Ehrfurcht gebietender Glanz strahlte von
feinem Angesichte. Doch sahen sie auch bald seine liebevolle, men-
schenfreundliche Seele in dem offenen Blicke, in seiner Rede, in sei-
nem ganzen Thun und Lassen. Innig gerührt hörten es die Män-
ner, wenn er sie: -meine Söhne'- und die Weibspersonen, wen» er
sie „meine Töchter" nannte. Tief drang es in ihre Seelen, wenn
er aus eigener Erfahrung von der Wirkung des Gebethes, Erfüllung
der Pflichten, Bekämpfung dcr Leidenschaften redete, wenn er sie zur
stiegen Gerechtigkeit, und zur freudigen und Freude bringenden
Liebe zu Gott und den Mitmenschen ermähnte. Er wurde nicht sel-
ten von den Vorstehern und Häuptern seines Volkes und der Eid-
genossenschaft besucht. Bescheiden verlangten sie von ihm Rath und
Belehrung. Beides gab er ihnen eben so freimüthig, als herzlich.
Er ermähnte zur Gottesfurcht, zur Bewachung guter Sitten, zur
Gerechtigkeit und zur Eintracht. In Bedrängnissen des Landes, in
allgemeiner Noth der Eidgenossenschaft eilte man immer zu dem
frommen Klausner, und er ward immer mit seinem Gebethe und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen