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652 Der heilige Johannes von Gott :c.
brachte in frommer Freude den erworbenen Taglohn der trostlosen
Familie. Die Freude indessen, die er darin fand, den Armen zu
dienen, ward bald durch den Abfall eines seiner Gefährten unterbro-
chen, der zur mahumcdanischcn Religion überging, worüber Johan-
nes in die düsterste Schwermut!) fiel. Dieß, und das Zureden ei:
nes erleuchteten und frommen Priesters bcwog ihn, nach Spanien
zurückzukehren, Gott selbst eifriger, und mit größerer Furcht zu die:
nen. 'Gleich nach seiner Landung zu Gibraltar sing er einen kleinen
Handel mit Bildern, Gebethbüchern und Katechismen an, wo er
diesen Handel, und den Unterricht der Kinder einige Zeit fortsetzte.
Eine zufällige Gelegenheit brachte ihn zu einem andern Entschlüsse.
Er sah nämlich Abends an seinem Fenster, wie die Kaiserin Isa:
bella, die als ein Wunder der Schönheit und Güte alle Augen auf
sich gezogen, und allcr Herzen gefesselt hatte, in feierlicher, aber
höchst trauriger Pracht zu Grabe getragen wurde, und wie auf ein-
mal die rausckcnde Freude im königlichen Paläste in öde Trauer und
Klage sich umwandelte. Tief in sich selbst gekehrt, sann er über
die Thorheiten vorübergehender Dinge nach, warf in Bitterkeit seines
Herzens sich seine Taubheit gegen die Stimme des Herrn, und seine
Lauigkeit auf dem Wege des Heils vor, und faßte den festen Ent:
schluß, Gott auf heiligere Weise zu dienen. Da um dieselbe Zeit
die Stadt Granada das Fest des heiligen Sebastian mit großer
Feierlichkeit beging, begab er sich in die Kirche, die dem Namen
dieses Heiligen geweiht ist, und wohnte dem Gottesdienste mit zer-
knirschtem Herzen bei. Groß war das Gedränge; denn Andalusiens
Apostel, der berühmte Johann von Avila, hi^lt die Predigt. Gleich
feurigen Pfeilen trafen die Worte des heiligen Priesters das Herz
Johannes. Unter lautem Schluchzen klopfte er an seine Brust, und
ohne auf die Blicke der übrigen Zuhörer zu achten, verfluchte er
laut sein verflossenes Leben, bekannte sich als den größten Sünder
der Erde, und rief zu Gott um Barmherzigkeit. Er ging so weit
in den Aeußerungen seiner Neue und Bußfertigkeit (die mehr unsere
Bewunderung, als Nachahmung verdienen), daß die Hefe des Vol-
kes ihn, als einen Wahnsinnigen, mit Stöcken schlug, mit Steinen
warf, und auf jede Weise schimpflich mißhandelte, bis er zuletzt, ein
Thor um Christi willen, in ein Irrenhaus eingesperrt, und daselbst
auf die grausamste Art behandelt wurde. Gleichwohl ertrug er alle
diese Mißhandlungen mit so großer Selbstverläugnung und Gelagen-
heit, daß ihm auch nicht eine einzige Klage entfuhr. Dem Vater
Avila, der ihn besuchte und tröstete, antwortete er, er habe unend-
lich größere Strafe für seine Simden verdient. Indessen ermähnte
dieser große Diener Gottes ihn, seiner ungewöhnlichen Buße Schran-
ken zu setzen, und vielmehr auf einen Lebenswandel zu sinnen, der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen