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Am 8. Mär;. 655
Gehör zu geben. Dieß erfuhr Johannes, und empfahl die Sache
Gott in Gebeth und Thränen, und — erfüllt mit dem Geiste des
Herrn — suchte er den Beleidigten auf, traf ihn auf öffentlicher
Gasse, siel vor ihm auf die Kniee, zog ein Kruzifix, aus dem Aer-
mcl, und sprach: .,Bruder Anton! also verzeihet dir Gott, wie du
deinem Feinde verzeihest! Verzeihest du aber deinem Nächsten
nicht, so wisse, daß auch du nimmermehr Barmherzigkeit vor
Gott erlangen wirst; denn, vergoß Vclasko das Blut deines Bru-
ders , so vergoß Jesus Christus sein Blut für dich und ihn,
und lauter schreit sein Blut um Barmherzigkeit, als das Blut
deines Bruders um Rache!'- Wie angedonnert stand Antonius
da, unvermögend, einer so gewaltigen Aufforderung zu wider-
stehen. Er hob den Johannes von der Erde auf, umarmte
ihn, erwirkte die Begnadigung des Velasko, und führte ihn
selbst, in Gegenwart des Heiligen aus dem Gefängnisse. Ein
all^oings rührender Anblick für Menschen und Engcl war es, als
beide Feinde einander unter Thränen umarmten; aber in hohes Er-
staunen gericthcn Stadt und Land, alS Beide dem Gottesmanne in
das Hospital folgten, in dasselbe Gewand sich kleideten, und noch
denselben Tag mit ihm umhergingen, Almosen in der Stadt zu sam-
meln. Diese beiden Männer legten den Grund zu dem Orden der
barmherzigen Brüder. Antonius stiftete das Hospital zu unser lie-
ben Frau in Madrid, und folgte dem Johannes in der Leitung des
Hauses Granada. Don Velaoko aber, der den Namen Peter Pec-
cadore annahm, gründete ein Hospital zu Sevilla, und wirkte bis
>n sein zwei und sicbenzigstes Jahr mit unermüdlichem Eifer für das
Heil dös Nächsten.
Unvermeidlich war es bei einer so großen Milde, daß er in
Schulden gcrieth. Er übergab daher die Leitung des Hauses dem
oben erwähnten Antonius Martini, und verließ mit einem andern
Gefährten Granada, in Andalusien Almosen zu sammeln. Er wurde
allenthalben mit Freuden empfangen, und erhielt reichliche Spende.
Besonders gnädig zeigte sich gegen ihn das Haus des Herzogs von
Cordua, der selbst sowohl, als seine Gemahlin nicht selten seine
Schulden bezahlte, und überdicß manche bedeutende Summe zur Un-
terstützung hatte verabfolgen lassen. Das Almosen, welches Johan-
nes in Andalusien gesammelt hatte, reichte indessen für seine Bedürf-
niss«! bei weitem nicht hin. Er begab sich daher nach Altkastilien,
wo er vom Könige Philipp I I . und dessen ganzem Hofe mit aus-
gezeichneter Verehrung aufgenommen, und sehr reichlich, zumal von
den Infantinnen Johanna und Maria, beschenkt wurde. Das Bei-
spiel dieser gutmüthigen Fürstinnen wirkte so mächtig auf die Hof-
damen, daß sie sogar ihrer Ringe, Armbänder, Ohrgehänge und
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen