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Am 8. März. 657
Nothleidendcn mit Liebe zu dienen. Die Krankheit des Heiligen
nahm täglich übcrhand, und von allen Seiten drängten die Armen
sich weinend um ihn. Er lag auf Brettern, mit einem alten Ueber-
rocke dürftig bedeckt. Statt des Steines hatte er den Sammelkorb
unter seinem Kopfe. Nur der ausdrückliche Befehl des Erzbischoss
vermochte ihn, eine bessere Pflege von einer liebevollen Frau, die
ihn hoch verehrte, anzunehmen. Als er aus dem Hospitale in ihre
Wohnung abgeführt wurde, war der Jammer der Armen, die ihren
Vater nicht mehr sehen sollten, unbeschreiblich. Kaum vermochte er,
sie zu trösten. Sein letztes Wort an sie war: „Bethet unablässig
für mich Sünder!"
Der ganze Adel besuchte den hochverehrten Kranken. Der Erz-
bischof selbst ertheilte ihm die heiligen Sterbsakramente, und gestat-
tete , daß das Hochwürdigste in seinem Zimmer ausgesetzt blieb.
Mit herzlicher Freundlichkeit fragte er ihn, ob er noch irgend etwas
auf seinem Herzen habe? Gerührt sprach Johannes: „Drei Dinge
erwecken großen Kummer in mir. Das- erste ist mein sündhaftes
Leben, da ich Gott nie vollkommen gedient habe. Das zweite ist
die Sorge für die Unterhaltung jener Frauenzimmer, die sich von
ihrem sündhaften Leben bekehrten. Das dritte endlich ist die Schul-
denlast, mit welcher ich der Armen Christi zu Lieb mich beladen
habe." Tröstend sprach der Erzbischof: „Hinsichtlich des Ersten,
mein Vruder! vertraue auf die Barmherzigkeit des Herrn, der aus
dem überreichen Schatze seines heiligen Leidens deinen Mangel er-
setzen wird; wegen des Zweiten und Dritten aber sey unbesorgt, ich
übernehme die Sorge für Alles, und werde forthin der Vater dei-
ner Armen seyn." Endlich erschien der Magistrat der Stadt, und
bat ihn um seinen Segen. Nur der Befehl des Erzbischofs ver-
mochte ihn, denselben für die Stadt Granada, nach einer herzlichen
Anrede zu sprechen. Noch einmal ließ er seinen Nachfolger, den
Antonius Martini, zu sich rufe» , empfahl ihm einzelne arme Wai-
sen, und würdige Hausarme, und nahm auf immer Abschied von
ihm. Zuletzt ersuchte er alle Anwesenden, ihn allein zu lassen. Als
dieß geschehen war, erhob er sich aus seinem Bette, warf sich vor
dem Altare auf die Kniee, und rief, nach einem inbrünstigen Ge-
bethe: „Jesus, mein Jesus! in deine Hände empfehle ich meinen
Geist!" Als jene wieder ins Zimmer kamen, fanden sie den Die-
ner Gottes entseelt auf den Knieen, und ein Kruzifix in seiner Hand
— am 8. März 1550.
Tiefe Trauer erfüllte die ganze Stadt. Alles wollte die heilige
Leiche schauen; sie blieb deßhalb drei Tage in der Kirche ausgesetzt,
und wurde dann mit unbeschreiblicher Feierlichkeit beerdiget. Gott
verherrlichte seinen Diener durch große Wunderthatcn, weßwegen er
Zweit« Band. 42
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Band 2
- Titel
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Untertitel
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Band
- 2
- Autor
- Anton Mätzler
- Verlag
- Landshut Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 1840
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 9.8 x 16.9 cm
- Seiten
- 982
- Schlagwörter
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen